7. August 2026
Bereits mehr als 35.000 Besucher fanden den Weg zur diesjährigen NordArt nach Büdelsdorf bei Rendsburg. Der Besuch lohnt sich. Die NordArt ist eine der größten Ausstellungen Europas für zeitgenössische Kunst. Etwa 200 Künstler stellen dort noch bis zum 4. Oktober ihre Werke in der alten Eisengießerei Carlshütte aus. Auf zehn Hektar werden mehr als 1.000 Kunstwerke gezeigt. Es ist nicht nur die größte Ausstellung in Nordeuropa, sondern auch eines der spannendsten Kunstereignisse. In Büdelsdorf wird nicht überwiegend das bekannte Repertoire des Kunstbetriebes gezeigt. Es sind in den Länderschwerpunkten viele erstaunliche Werke zu sehen und viel Neues zu entdecken. China ist dabei seit Beginn einer der bedeuteten Länderschwerpunkte.
„LANDSCAPE OF THOUGHT – Zeitgenössische chinesische Kunst. Das diesjährige Sonderprojekt aus China, entwickelt in Zusammenarbeit mit Juan Zaft, vereint unterschiedliche Perspektiven, die sich zu einer vielschichtigen Erzählung entfalten. Die chinesische Kultur ist geprägt von einer besonderen Ambivalenzfähigkeit. Gegensätze werden nicht als Widersprüche, sondern als voneinander abhängige Elemente innerhalb eines dynamischen Gleichgewichts verstanden. Diese Sensibilität für Mehrdeutigkeit und Wechselbezüge ist in der gesamten Ausstellung spürbar. Die Arbeiten bewegen sich zwischen individueller Ausdrucksform und kollektiver Erfahrung, zwischen Klarheit und Andeutung, zwischen gesellschaftlicher Reflexion und poetischer Verdichtung.
Die Bedeutung lässt sich nicht an einem Punkt festmachen, sondern wandelt sich, während man sich durch die Ausstellung bewegt. In der Inszenierung "Landscape of Thought" wird die Ausstellung zu einer begehbaren Gedankenlandschaft, die ebenso von Atmosphäre wie von Form geprägt ist. Traditionelle Techniken, Anklänge an Tuschemalerei und Handwerkskunst sowie zeitgenössische Medien treten in einen Dialog mit der industriellen Architektur. Landschaft erscheint hier nicht als etwas Äußeres, sondern als Zustand des Denkens und der Wahrnehmung. "Landscape of Thought" ist ein Raum der Perspektiven. Er lädt dazu ein, sich durch Spannungsfelder zu bewegen, Ambivalenz zu spüren und das Potenzial zu entdecken, das entsteht, wenn unterschiedliche Denkweisen aufeinandertreffen“, so NordArt-Kurator Taso Gramm.
Ein solcher Kunstbegriff ist gerade jetzt in den unruhigen weltpolitischen Zeiten entscheidend. Kunst soll Wege aufzeigen, Antworten geben, die Politik und Institutionen so nicht geben können. „Zeitgenössische Kunst ist für mich ein Spiegel unserer Gesellschaft. In der NordArt präsentieren wir künstlerische Sichtweisen aus der ganzen Welt, die sowohl persönliche als auch gesellschaftskritische Perspektiven sichtbar machen. Viele dieser Arbeiten greifen zudem politische Spannungen auf. Gerade bei der Gesamtbetrachtung der Ausstellung wird deutlich, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Trotz geografischer Distanz beschäftigen sie sich mit vergleichbaren gesellschaftlichen Themen und stellen sich grundlegende Fragen zur Realität ihres Lebens. Diese Parallelen zeigen, was uns als Menschen verbindet – selbst dann, wenn wir uns zunächst sehr fremd erscheinen,“ sagt Taso Gramm. Chefkurator Wolfgang Gramm erkälte: „Kunst sucht Antworten auf alles, was den Menschen bewegt und berührt und der Mensch kann Antworten in der Kunst finden.“
Im Gespräch Ulf Ludzuweit, silkrail-Mitinitiator und Künstler zum Bergfest der NordArt berichtete Taso Gramm von den Beginn des Länderkonzepts China, der seit Jahren einer der Ausstellungsschwerpunkte bildete. „Es begann mit Besuchen von Wolfgang Gramm vor rund 15 Jahren bei chinesischen Künstlern in Peking. Bei denen fand dort das Ausstellungskonzept der NordArt großen Anklang und chinesische Künstler haben ohnehin ein großes Interesse, im Ausland auszustellen.“
Chefkurator Wolfgang Gramm, der Vater von Taso Gramm, gilt als der Erfinder der NordArt. Es klingt fast unglaublich. Zusammen mit Seniorkuratorin Inga Aru bildet das Familienunternehmen mit nur drei Personen das Organisationsteam, das nur während der Ausstellung mit vielen Mitarbeiter*innen erweitert wird. Das kleine Team könnte jedoch auch das Geheimnis des NordArt-Erfolgs sein. Es besteht eine Kontinuität die viel Platz für Neues hat. Die Organisatoren sind offen, neugierig und zugewandt. Sie müssen sich nicht hinter den Machtkämpfen im Kunstbetrieb großer Ausstellungsorganisationen verschanzen. Bei den teuren großen europäischen Kunstspektakel bleibt dagegen viel im bürokratischen Geflecht der vielen angestellten Mitarbeiter hängen.
Maßgeblich begründet, gestützt und ermöglicht wurde die NordArt durch das Unternehmerehepaar Johanna und Hans-Julius Ahlmann. Sie stellen als Inhaber der ACO-Gruppe das Gelände der historischen Carlshütte in Büdelsdorf als Ausstellungsort zur Verfügung und treten als Hauptsponsoren auf. Die ACO-Gruppe ist auch als Produzent von maßgeschneiderte Entwässerungssysteme in China tätig und betreibt in Shanghai seit 10 Jahren ein großes Produktionswerk. „So etwas hatte ich in einem Industriebetrieb noch nie gesehen. Bei der Eröffnung des Shanghaier Produktionswerk war ich sehr überrascht, nicht nur über die viele Kunst, die dort in dem Werk zu sehen war. Überraschend waren auch die Kunstwerke, die ich in ihrer Eigenheit kaum zuvor gesehen hatte,“ so silkrail-Koordinator Thomas Kiefer. Kunst ist für die Ahlmanns mehr als nur Sponsoring.
Dabei bietet die chinesische Kunst weitere spannende Besonderheiten und der eurasische Kulturaustausch hat eine lange, wechselhafte Geschichte. „Das ausgeprägte, handwerkliche Können sowie der Umstand, dass die traditionelle chinesische Kunst durch die Einflüsse des Westens schon im 19. Jahrhundert eine große Erweiterung gefunden hat, wenngleich es auch in der Zeit des gewaltsamen Kolonialismus stattgefunden hat, ist prägend“ so Taso Gramm.
Die NordArt hat auch Pläne für Ausstellungen in China, beispielsweise ein Mongoleiprojekt „Zwischen Geist und Wind“. Und bereits seit Eröffnung der NordArt wird bereits an der nächsten Ausstellung gearbeitet. „Das bestehende Ausstellungskonzept wird fortgesetzt im Sinne der Kunst als Spiegel der Zeitzeugenschaft der jetzigen, aufregenden Entwicklung, die vor allem in China stattfindet,“ erklärt Taso Gramm.
Links
Instagram-Format NDR SH: Zu Gast auf der NordArt
VIDEO, NordArt: Internationale Kunst in Büdelsdorf
VIDEO. NordArt 2026: Ausstellung mit 1.000 Kunstwerken gestartet
VIDEO NordArt 2026 | Making Of – From Empty Halls to a World of Art
Grußwort Taso Gramm zur Ausstellungseröffnung NordArt 2026
ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer
Foto: © NordArt
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