1. April 2026
Eine Neuausrichtung in China war für Volkswagen überfällig, da der Konzern in seinem wichtigsten Markt und Gewinnbringer dramatisch zurückfällt. Jahrzehnte war Volkswagen auf dem chinesischen Markt der unangefochtene Marktführer. Nachdem der einheimische Autobauer BYD bereits 2024 VW den Rang abgelaufen hat, ist im vergangenen Jahr auch Geely vorbeigezogen. VW belegt nur noch nur noch den dritten Platz. In China, wurden 2025 noch 2,69 Millionen VW-Fahrzeuge verkauft, 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Ende der 1990er Jahre lag der VW-Marktanteil in China bei über 50 Prozent. Noch 2020 lag er bei 19,3 Prozent. Nach einem weiteren Rückgang im letzten Jahr liegt er derzeit bei rund 14 Prozent.
Doch China ist immer noch der wichtigste Markt für VW. Trotz der Absatzrückgange entfielen im vergangenen Jahr noch etwa 30 Prozent der weltweiten Auslieferungen auf China. Doch von den 2,59 Millionen verkauften Fahrzeuge waren 2,57 Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Bei den boomenden Elektrofahrzeugen hatte VW wenig für chinesische Kunden zu bieten.
Bei Elektrofahrzeuge möchte VW jetzt in China aufholen. Im Jahr 2026 wird die Volkswagen Gruppe mehr als 20 vollelektrische, Plug-in-Hybrid- und Reichweitenverlängerungsmodelle auf dem chinesischen Markt einführen. Diese Modelle sind mit fortschrittlichen Batterie- und Elektrifizierungstechnologien, intelligenter Konnektivität und Fahrerassistenzsystemen ausgestattet, meldet der Konzern.
Bis 2027 plant Volkswagen etwa 40 neue Fahrzeuge in China, mehr als die Hälfte davon elektrifiziert. Allein dieses Jahr kommen über 20 Modelle mit alternativen Antrieben auf den Markt, also reine Elektroautos, Plug-in-Hybride und Range-Extender-Varianten.
Entwickelt in China- für die Welt
Bei der neuen Chinastrategie spielen die beiden chinesischen Automobilriesen SAIC und FGAW nicht unbedingt die Hauptrolle. Neue dynamische Partner wie Xpeng sorgen für den „China Speed“. Die neue China Electronic Architecture (CEA) Architektur, ein zentrales Element um in China wieder aufzuholen, wurde von der Volkswagen Group China Technology Company (VCTC), CARIAD China und XPENG entwickelt. Das Fahrzeug wird im Volkswagen Werk Anhui produziert.
„In nur 18 Monaten wurde die CEA vom Konzept bis zur Serienreife gebracht – damit ist es die schnellste Entwicklung einer elektronischen Architektur im Volkswagen Konzern – und das bei unveränderten Validierungsstandards und höchster Qualität dank hocheffizienter Arbeitsabläufe, meldete der VW Konzern Ende Januar. Damit geht die erste lokal entwickelte zonale Hochleistungs-Elektronikarchitektur von Volkswagen Group China in Serie. Die CEA ist eine skalierbare, zonale Elektronikarchitektur mit leistungsstarken Zentralrechnern. Sie ist vollständig Over-the-Air aktualisierbar und für den Einsatz in allen Antriebsarten ausgelegt, was eine schnelle Erweiterung des Portfolios intelligenter vernetzter Fahrzeuge in China ermöglicht.
Volkswagen Group China hat jetzt planmäßig mit der Produktion des ersten Modells begonnen, das die China Electronic Architecture (CEA) integriert, die erste zonale Elektronikarchitektur des Konzerns. Der VW ID.UNYX 07 wurde in China entwickelt, getestet und produziert und ist der technologische Pionier einer neuen Generation intelligenter vernetzter Fahrzeuge (ICV).
Der Produktionsstart unserer ersten zonalen Elektronik Architektur ist ein weiterer Meilenstein unserer Strategie ‚In China, for China‘. Der Volkswagen Konzern liefert – schnell und zuverlässig. In nur „Der Produktionsstart unserer ersten zonalen Elektronik Architektur ist ein weiterer Meilenstein unserer Strategie ‚In China, for China‘. Der Volkswagen Konzern liefert – schnell und zuverlässig. In nur 18 Monaten haben wir erstmals eine komplett neue, skalierbare Elektronikarchitektur von der Entwicklung bis zur Serienproduktion realisiert – mit derselben hohen Qualität und Sicherheit, die unsere Kundinnen und Kunden von Volkswagen erwarten. Die China Electronic Architecture ermöglicht softwaregetriebene Innovationen über alle Antriebsarten hinweg, beschleunigt den Ausbau unseres Portfolios intelligenter vernetzter Fahrzeuge in China - und sie ist ein wichtiger Bestandteil unserer weltweiten Konzern Software Strategie auf unserem Weg zum globalen Technologietreiber der Automobilindustrie,“ erklärte Oliver Blume, CEO Volkswagen Group.
„Wir haben nun den Weg für eine neue Generation intelligenter vernetzter Fahrzeuge in China geebnet. Die China Electronic Architecture ermöglicht es uns, softwaregesteuerte Innovationen zu wettbewerbsfähigen Kosten und mit hoher Geschwindigkeit auf den Markt zu bringen, und zwar für Elektrofahrzeuge, Hybrid- und Verbrennermodelle. So skalieren wir intelligente vernetzte Fahrzeuge in China – indem wir lokale Geschwindigkeit mit der DNA von Volkswagen kombinieren,“ so Ralf Brandstätter, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG.
Im Vergleich zu früheren Fahrzeuggenerationen reduziert die CEA die Anzahl der elektronischen Steuergeräte um rund 30 Prozent und vereinfacht damit die Systemkomplexität erheblich. Dies schafft eine stabile Grundlage für fortschrittliche KI-Cockpit-Funktionen, chinesische Fahrerassistenzsysteme und Over-the-Air-Updates für das gesamte Fahrzeug.
Durch den neuen Entwicklungsprozess werden die gesamten Fahrzeugentwicklungszyklen um bis zu 30 Prozent verkürzt. Durch die lokalisierte Entwicklung und frühzeitige Einbindung von Zulieferern in der Konzeptphase werden die Entwicklungskosten für neue Modelle in ausgewählten Schlüsselprojekten um bis zu 50 Prozent reduziert. Agile Entwicklungsprozesse ermöglichen zudem schnelle Anpassungen an sich ändernde Kundenanforderungen und stärken die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen im Zeitalter intelligenter bereits in diesem Jahr wird der Konzern vier weitere Fahrzeuge aus allen Joint Ventures der Marke Volkswagen mit der neuen Architektur vorstellen. Mit der Auslieferung der CEA stellt Volkswagen seine umfassenden Kompetenzen in der Entwicklung softwaredefinierter Fahrzeuge unter Beweis, vom Konzept über die Konstruktion bis hin zur Validierung und Serienproduktion, so VW.
Škoda zieht sich aus China zurück
Das der größte Automarkt der Welt für eine einstmals erfolgreiche Marke verloren gehen kann zeigt die VW-Tochter Škoda. Auch sie versuchte mit China Speed noch die Kurve zu bekommen. Beim größeren Peaq, dem erste elektrische Siebensitzer von Škoda, wird allerdings eine andere Plattform verwendet. Hier ist es immer noch MEB, aber davon eine weiterentwickelte Version. Gegenüber Autoexpress wurde bestätigt, dass Technologie von der brandneuen „China Electrical Architecture“ zum Einsatz kommt, die VW gemeinsam mit Xpeng für China entwickelt hat.
Diese neue Architektur ersetzte das bisherige elektrische System, um durch erhöhte Rechenleistung Funktionen wie KI und vollständige Over-the-Air-Updates zu ermöglichen. Durch die Reduzierung der Steuergeräte sinkt vor allem die Komplexität des Fahrzeugs, was gleichzeitig Entwicklungskosten und -zeiten verringert.
Doch Škoda zieht sich aus China zurück und fokussiert sich stattdessen auf Indien, meldeten die Medien Ende März. Bis Mitte 2026 läuft das China-Geschäft aus, wie das Unternehmen bestätigt. Damit reagiert Skoda auf einen dramatischen Absatzrückgang und den zunehmenden Erfolg einheimischer E-Auto-Marken. In besseren Zeiten verkaufte Škoda in China etwa 300.000 Fahrzeuge pro Jahr. Zuletzt waren es nur noch etwa 15.000 Einheiten. Der drastische Rückgang macht das Geschäft unrentabel. Als Hauptgrund für den Einbruch nennt Skoda den rasanten Wandel hin zur Elektromobilität: Verbrenner-Modelle wie der Octavia und der Superb, die im eigenen Werk in Shanghais vom Band laufen, können sich gegen die günstigen und technologisch vernetzten E-Modelle der heimischen Hersteller nicht mehr behaupten. Elektro reicht nicht, die Kunden in China möchten smarte Fahrzeuge haben.
Standort Deutschland am Ende?
Für den Standort Deutschland sind jedoch nicht die großen Produktionskapazitäten von VW und anderen ausländischen Konzernen und chinesischen Konzernen die eigentliche Herausforderung. Europas Industrie gerät viel mehr ins Hintertreffen, da sich China als Forschungsstandort für Zukunftstechnologie etabliert und dort die Unternehmensprozesse viel schneller durchgeführt werden können. Und die zukünftigen Fahrzeuge werden dann verstärkt aus China exportiert.
Die Deutsche Industrie kann offensichtlich im Technologiewettlauf mithalten. Jedoch nicht mehr vorzugsweise in ihrem Stammland. Die Politik braucht mehr „China-Speed“, damit unsere Wirtschaft nicht noch weiter zurückfällt. Nicht großartig angekündigte Programme zählen, sondern der Erfolg sollte mehr an den Ergebnissen gemessen werden. Dafür brauch Europa einen langfristig ausgerichteten Industrie- und Technologieplan. Dafür braucht Europa gute und verlässliche Investitionsbedingungen.
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