20. April 2026
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies zeigte sich in Shanghai sichtlich beeindruckt von dem „China Speed“ und plädierte für einen Ausbau der Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen.“ China ist und bleibt ein unverzichtbarer Partner für Niedersachsen, insbesondere bei Zukunftstechnologien wie Batterieproduktion, autonomem Fahren und innovativen Mobilitätslösungen. Das haben wir heute in Shanghai erlebt,“ zog Lies Bilanz des ersten Tages seiner Chinareise. „Wir haben uns sehr intensiv mit dem Thema Mobilität und natürlich Volkswagen beschäftigt. Und: Volkswagen geht einen pragmatischen Weg. China geht einen pragmatischen Weg. Alles muss seinen Beitrag leisten die Klimaziele zu erreichen und vor allem unabhängig zu werden von fossilen Kraftstoffen. Das ist sehr erfolgreich. Und wir haben auch gesehen, dass verschiedene Modelle, die hier gebaut werden für uns Maßstab sein müssen Denn sie sind nicht nur für den chinesischen Markt, sie werden ja auch für den internationalen Markt gebaut. Das zweite was spannend ist, und wo wir sehen, dass wir schneller vorankommen müssen ist das Thema Autonomes Fahren. Wir durften heute ausprobieren, was es heißt, wenn wir ganz autonom fahren. Und ich kann nur sagen: es funktioniert. Das ist ein echter Gamechanger. Es sorgt dafür, dass man Mobilität neu denken kann, dass wir es auch in den ländlichen Räumen schaffen verlässliche öffentliche Mobilität zu ermöglichen. Gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen geht es darum Angebote zu entwickeln Es lohnt sich wieder hier zu sein. Ich war 2014 das erst mal hier und habe in den ganzen Jahren erlebt, welchen technischen Fortschritt wir hier sehen. Lasst uns an einer engen Zusammenarbeit festhalten. Grenzen aufzuzeigen und nicht zusammen zu arbeiten ist kein guter Weg und wird auch am Ende nicht zum Erfolg führen.“
VW möchte in Wolfsburg nach dem „Hefei“-Modell arbeiten
Volkswagen hat mit Kooperationen in China im hart umkämpften Automarkt große Erfolge erzielt. VW ist in den ersten Monaten dieses Jahres wieder Marktführer in China. Bildungskooperation, das Leben in verschiedenen sich ergänzenden Welten sind Alltag bei VW. So hat VW-Chef Oliver Blume an der Tongji-Universität in Shanghai beim späteren Wissenschaftsminister Wan Gang promoviert. Wan Gang hatte zuvor in Deutschland promoviert und anschließend bei AUDI in führender Position in der Entwicklung alternativer Antriebe gearbeitet. Durch diese Kooperationen kann VW den China Speed verstehen und für sich nutzen.,
Die Technische Entwicklung beim Volkswagen-Konzern in Wolfsburg wird nach dem Beispiel Hefei, der 9 Millionen Einwohner Hauptstadt von Niedersachsen Partnerprovinz Anhui, in China neu ausgerichtet werden, berichtete die „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“ vergangene Woche. Dort hat der Konzern im Rahmen der „In China für China“-Strategie ein modernes Entwicklungszentrum aus dem Boden gestampft, wo man nun nach dem Standard für das „Software defined Vehicle“ arbeitet. Fahrzeuge werden dort auf Grundlage der Software entwickelt und nicht mehr die Software zum fertigen Auto. Die Entwicklungszeiten und Kosten werden mit dem „Hefei Modell“ radikal reduziert. Was Volkswagen in Hefei kann, sollte auch in Wolfsburg funktionieren.
Ausbau der Zusammenarbeit
So war Anhui auch die weitere Station der Chinareise des Niedersächsischen Ministerpräsidenten. Die langjährige Partnerschaft wird ausgebaut. Am 15. April unterzeichneten die Provinzregierung von Anhui, die Landesregierung von Niedersachsen und der Volkswagen-Konzern gemeinsam eine Absichtserklärung zur Stärkung der Zusammenarbeit im Automobilbereich. Damit soll die Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie Innovation, automatisiertes und vernetztes Fahren sowie Batterietechnologien vertieft werden. Olaf Lies zeigte sich tief beeindruckt von der robusten Dynamik der qualitativ hochwertigen Entwicklung in Anhui und äußerte sich optimistisch hinsichtlich der zukünftigen Zusammenarbeit, so Xinhua.
Der Schritt spiegelt einen breiteren Trend der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit wider. Eine vom Verband der Automobilindustrie (VDA) im Jahr 2025 durchgeführte Umfrage ergab, dass fast 70 Prozent der befragten Unternehmen planten, ihre Investitionen in China zu erhöhen, wobei mehr als 78 Prozent den Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung legten. Vor diesem Trend ist es unumgänglich für die deutsche Politik zu sehen, wie wir diese Kooperationen für unsere heimische Wirtschaft nutzen können.
Hochschulkooperationen werden ausgebaut
Der Ministerpräsident wies in China wiederholt darauf hin, dass Wissenschaft- und Hochschulkooperation eine wichtige Basis für gute und nutzbringende Beziehungen sind. Gerade junge Menschen sollten dadurch lernen die andere Seite besser zu verstehen. Ebenfalls am 15 April vereinbarten die Hefei University in Anhui und die Hochschule Osnabrück die Gründung des International College of Hefei University. Das neue College plant, bereits dieses Jahr die ersten Studierenden aufzunehmen und bietet drei Bachelor-Studiengänge mit den Schwerpunkten Fahrzeuge mit neuer Energie (NEVs), Informationstechnologie der nächsten Generation und intelligente Logistik an.
Die Hefei University hat bereits acht branchenorientierte Fakultäten, die in Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen gegründet wurden, darunter das „Volkswagen College“ und das „Continental College“. Ihre Partnerschaft mit der Hochschule Osnabrück besteht seit mehr als 41 Jahren und umfasst Bereiche wie Maschinenbau und elektronische Informationstechnik.
Hefei Modell für Niedersachsen?
In China mit mehr als dreimal so vielen Einwohnern als die EU haben die Provinzen und Metropolen recht unterschiedliche regional ausgerichtete Entwicklungsmodelle, So Hefei. Auch Niedersachsen könnte von dem Hefei-Modell lernen.
Niedersachsen ist an VW beteiligt und auch Hefei beteiligt sich an Autokonzernen. Jedoch strategisch und mit dem Ziel aus diesen Beteiligungen Geld zu verdienen. Der eigenen Autoindustrie setzte die Provinz Technologieführer wie Nio oder VW vor die Werkstore, um sie zur Modernisierung und effektiveren Unternehmensstrukturen zu zwingen. Bei VW in Niedersachsen bauen hunderte chinesische Techniker aus den VW-Chinakooperationen in China-Geschwindigkeit Batterieproduktionslinien auf um dann wieder nach China zurückzukehren. Die Technologie bleibt jedoch hier. Modell Hefei: Deutschland muss offener für Investitionen von chinesischen Investoren werden. Milliardeninvestitionen, wie bei dem gescheiterten Batteriewerk in Heide sind eher Kontraproduktiv. Notwendig ist eine strategische, langfristige Industriepolitik, die auf Gewinnen, Arbeitsplätze und Wohlstand setzt. Notwendig sind eine effektive Verwaltung und schnelle Entscheidungswege.
Lies zeigte sich in einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ nach seiner Chinareise offen für Produktionskapazitäten chinesischer Konzerne in deutschen VW-Werken. Man könne nicht verhindern, dass chinesische Autobauer verstärkt in den europäischen Markt drängen, so der Ministerpräsident. Gleichzeitig müsse die Auslastung der Werke gesichert werden. Der Ministerpräsident sieht in einer solchen Kooperation jedenfalls „Chancen für die Produktionsstandorte von VW und der Zulieferindustrie“. „Wir müssen für die Beschäftigten eine Antwort finden, wie das gelingen kann“, so Lies . „Bald kommen neue Modelle auf den chinesischen Markt, die VW in China sowohl mit verlässlichen und engen chinesischen Partnern gemeinsam, aber auch allein entwickelt hat und nun produziert. Da stellt sich ganz automatisch die Frage, welche Perspektiven sich daraus ergeben und ob man auch in Europa zusammenarbeiten könnte. Durch Abschottung allein bleiben wir nicht erfolgreich – und schon gar nicht, indem wir sagen, wir wollen nichts miteinander zu tun haben“, so Lies. „Die Frage ist, ob es uns gelingt eine solche Kooperation auf Augenhöhe zu entwickeln.“
Wie können wir von Chinas Dynamik profitieren?
Nach sechs Tagen China zog Lies Bilanz: Eine spannende Zeit mit vielen guten Gesprächen. „Was können wir dafür tun, dass wir einen Teil der Geschwindigkeit übernehmen? Aber auch Kooperationen ausweiten. Es gibt ein großes Interesse mit uns zusammen das Thema Hafenerweiterung zu denken und zu gestalten,“ so Lies.
„Dafür ist eine Strategie notwendig, die Chancen erkennt, nutzt und auf Kooperationen setzt. “Wir brauchen eine China Strategie, die nicht darauf setzt abzuschotten. Wir brauchen eine Strategie die darauf setzt gemeinsam voneinander zu profitieren. Warum sollte Made in Germany und made in China nicht auch in Summe eine gute Chance sein. Warum sollen wir nicht damit internationale Märkte erreichen, die wir alleine nicht erreichen können? Lasst uns das weiterdenken. Lasst uns nicht Barrieren aufbauen. Lasst uns nicht den Glauben stärken, wir müssten uns abschotten, sondern lasst uns das miteinander nutzen und gemeinsam davon profitieren. China ist ein wichtiger Partner für uns in Niedersachsen. Der Fokus unserer Delegationsreise in dieser Woche lag auf Volkswagen, auf unseren Häfen, Handel und Logistik und auf der weiteren Vertiefung unserer Beziehungen – gerade auch zu unserer Partnerprovinz Anhui. Volkswagen zeigt hier eindrucksvoll, wie man aus gezielten strategischen Partnerschaften heraus ganz neue Geschwindigkeit und Innovation entstehen lässt. Hier entstehen in kürzester Zeit Fahrzeuge für den chinesischen Markt, die technologisch Weltklasse sind und die nächste Generation der Mobilität darstellen – ein Erfolg, von dem unser größter Autobauer auch für die globalen Märkte profitieren kann. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig internationale Zusammenarbeit ist: bei Technologie, in der Hafenwirtschaft und der Logistik und genauso im Austausch zwischen Studierenden und Universitäten. Offenheit, Lernen voneinander und kultureller Dialog sind entscheidend. Gemeinsam, für beide Seiten fair und ausgewogen gestaltet, kann diese Partnerschaft Zukunft schaffen.“
Links
Silkrail. Anhui – Wirtschaft: Das „Hefei-Modell“
VIDEO. Olaf Lies. Shanghai Post
VIDEO Olaf Lies . Bilanz der China-Reise
NDR. Lies' erste Auslandsreise: Warum der Ministerpräsident nach China fliegt
MP Lies zur ersten Delegationsreise in China
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VW-AUFSICHTSRAT . Fokus Mobilität: Ministerpräsident Lies reist nach China
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Foto: Ministerpräsident Olaf Lies, Bildnachweis: Niedersächsische Staatskanzlei/Ole Spata
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