1. April 2026
„Die Chinesen verdienen mit ihren Autos kein Geld“ ist noch öfters in den Medien zu lesen. Oder das Sanktionen Chinas Aufstieg verhindern könne, propagieren manche westliche Politiker. Doch in China werden spannende Geschichten geschrieben, wie die vom Xiaomi-Gründer Lei Jun. Ein erstes Fahrzeug wurde im März 2024 verkauft. 2025 konnte Xiaomi Auto bereits Gewinne verbuchen.
Aus einfachen Verhältnissen zum Multimilliardär
Lei wurde 1969 in Xiantao , Provinz Hubei geboren. Seine Eltern waren beide Lehrer; sein Vater verdiente umgerechnet 7 US-Dollar im Monat. Jetzt wird Leis Vermögen auf 42,6 Milliarden US-Dollar geschätzt , womit er weltweit auf Platz 33 landete. Das erwarb er mit Firmengründungen im Onlinehandel, Investmentgesellschaften und nicht zuletzt mit der Gründung des Elektronikkonzern Xiami 2010.
Die ersten Xiaomi Smartphons wurden von vielen als Spielzeug für Jugendliche verlacht. Jetzt ist in Xiaomi der drittgrößte Smartphone-Hersteller der Welt. Doch Xiami stellt weit mehr als nur Smartphons her. Mit Xiaomi Auto wurde das Smartphone auf Rädern Realität.
US-Sanktionen führen zum Entschluss smarte Elektroautos zu bauen
Der Beschluss Autos zu bauen löste ausgerechnet Sanktionen des US-Präsidenten Donals Trump aus, die er zum Ende seiner ersten Amtszeit Xiami androhte. Im Jannuar 2021 erhielt Lei Jun einen Anruf, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass Xiaomi von den Vereinigten Staaten mit Sanktionen belegt worden war . Während einer Dringlichkeitssitzung des Aufsichtsrats kam die Frage auf, was mit den 30.000 bis 40.000 Mitarbeitern von Xiaomi geschehen würde, falls das Mobiltelefongeschäft des Unternehmens nicht mehr fortgeführt werden könnte. Die Antwort lautete: offensiv neue Geschäftsfelder erschließen. Dies führte zu Xiaomis Plan, in die Automobilproduktion einzusteigen.
Lei Jun wurde von Freunden wie William Li, dem CEO von Nio, und He Xiaopeng, dem CEO von XPeng, bei diesen Beschluss bestärkt. Die “drei Freunde” waren damals die Trendsetter der chinesischen Autobranche.
Gründung von Xiaomi
Am 30. März 2021 kündigte Xiaomi die Gründung einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft für smarte Elektrofahrzeuge an. Die Anfangsinvestition für dieses Vorhaben betrug 10 Milliarden Yuan(100 Yuan = ca. 12, 5 Euro). als CEO der Gruppe, sollte auch die Leitung des Geschäftsbereichs für intelligente Elektrofahrzeuge übernehmen. Am 1. September 2021 wurde die Xiaomi Automobile Co., Ltd. offiziell gegründet.
Damals rieten Kommentatoren Lei, die Priorität auf die schnellstmögliche Markteinführung des Autos zu legen, anstatt alles intern abzuwickeln, und dass Xiaomi dazu mit einem etablierten Autokonzernen zusammenarbeiten solle. Lei lehnte diesen Ansatz jedoch ab, er wollte die Verfügungsgewalt über die Technologie bekommen und weitgehend unabhängig arbeiten. Durch den Verzicht auf Outsourcing mussten alle Kerntechnologien während des Herstellungsprozesses intern entwickelt werden.
Nach der Ankündigung zog Xiaomi Auto zahlreiche Experten an, darunter Liu Anyu, eine der ersten Unternehmerinnen bei Xiaomi, Li Tianyuan, ein in Europa lebender chinesischer Autodesigner, der seine Karriere bei BMW aufgebaut hatte , und Hu Zhengnan, ein Partner bei Shunwei Capital. Die Rekrutierungsbemühungen von Xiaomi Auto stießen auf überwältigende Resonanz; es gingen rund 380.000 Bewerbungen ein. Zudem konnte er auf ein eingespieltes großes Programmierer- und Entwicklerteam von Xiaomi zurückgreifen. Manches, was für Smartphones entwickelt wurde, funktioniert ähnlich auch in einem smarten Fahrzeug.
Fabrikgründung
Am 27. November 2021 unterzeichneten die Stadtregierung von Peking und Xiaomi offiziell ein Kooperationsabkommen und gaben damit die Gründung von Xiaomi Automobile in Peking bekannt. Xiaomi Automobile plant den Bau eines zweiphasigen Fahrzeugwerks mit einer jährlichen Produktionskapazität von insgesamt 300.000 Fahrzeugen. Die Produktionskapazitäten der ersten und zweiten Phase betragen jeweils 150.000 Fahrzeuge.
Das erste Prototypfahrzeug von Xiaomi wurde am 16. August 2023 fertiggestellt und anschließend umfangreichen Winter- und Sommertests unterzogen. Bis Dezember 2023 war das Forschungs- und Entwicklungsteam für den Automobilbereich auf über 1.000 Mitarbeiter angewachsen, und die Serienproduktion soll voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2024 anlaufen.
Am 28. Dezember 2023 stellte Xiaomi sein erstes Elektroauto, den SU7, vor. Der SU7 wurde am 28. März 2024 in Peking offiziell vorgestellt, und Xiaomi nahm ab diesem Tag Bestellungen für das Fahrzeug entgegen. Im Juni 2024 betrieb Xiaomi Auto in China bereits über 12.000 stationäre Geschäfte.
Doch bislang durfte Xiaomi eigentlich keine Autos produzieren, da die chinesische Regierung die ausufernden Firmengründungen der Autobranche einschränken wollte und dafür deshalb eine Lizenz notwendig war. Im Juli 2024 erhielt Xiaomi Auto endlich von der chinesischen Regierung endlich die Genehmigung zur eigenständigen Automobilherstellung, nachdem das Unternehmen zuvor die Lizenz der Pekinger BAIC Group genutzt hatte. Im selben Monat investierte die Xiaomi Group 840 Millionen Yuan in den Bau der Fabrik in Yizhuang, im Nordosten des Stadtbezirks Daxing von Peking.
Rasend schneller Ausbau der Vertrieb und Service
Doch die Fahrzeuge sollten Landesweit schnell an die Frau und den Mann gebracht werden. Über seine hippen
Smartphone-Läden hatte Xiaomi Erfahrung mit neuen Vertriebswegen, die junge preisbewusste und technikaffine Zielgruppen ansprechen. Ein Xiaomi Autostore hat wenig mit dieselgeschwängernden Autohäusern und Motorgeknatter zu tun. Ein Xiaomi Auto wird als hochtechnologische, leistungsfähige Ikone präsentiert.
Am 31. Mai 2025 gab Xiaomi bekannt, im Mai 29 neue Filialen eröffnet zu haben, womit das Unternehmen nun insgesamt 298 Filialen in 82 chinesischen Städten betreibt. Für Juni sind weitere 37 Filialen in 10 Städten geplant. Zum 31. Mai gab es 153 Xiaomi-Servicecenter in 88 Städten.
Am 10. Juli 2025 gab Xiaomi Auto bekannt, dass die kumulierten Auslieferungen 300.000 Einheiten überschritten haben. Am 20. November 2025 lief das 500.000ste Xiaomi-Fahrzeug vom Band.
Erste Gewinne nach einem Jahr
Die Investoren und Analytiker waren eher skeptisch, ob sich der Einstieg in die autosparte auszahlen werde oder ob dabei nicht ein zu großes finanzielles Risiko eingegangen würde. Über hundert Anbieter lieferten sich in China einen mörderischen Wettbewerb. Für einen weiteren Anbieter sei es zu spät. Doch der Gewinn kam schneller als erwartet.
Der „Geschäftssparte für smarte Elektrofahrzeuge, KI und neue Initiativen“, die überwiegend aus dem Autogeschäft besteht, erwirtschaftete bereits 2025 ein operatives Jahresergebnis von 900 Millionen Yuan (113 Mio. Euro). Der Umsatz dieses Geschäftsbereichs war 2025 um 223,8 Prozent auf 106,1 Milliarden Yuan gestiegen.
Xiaomi lieferte im vergangenen Jahr 411.000 Fahrzeuge aus. Für 2026 peilt der Konzern 550.000 Einheiten an. Ende 2025 umfasste das Vertriebs- und Servicenetz 477 EV-Verkaufszentren in 138 chinesischen Städten.
Die Xiaomi Corporation insgesamt steigerte 2025 ihren Umsatz um 25 Prozent auf 457,3 Milliarden Yuan (rund 58 Milliarden Euro). Der bereinigte Nettogewinn kletterte um 43,8 Prozent auf 39,2 Milliarden Yuan. Das Smartphone-Geschäft trug 186,4 Milliarden Yuan zum Gesamtumsatz des Unternehmens bei. Die Sanktionen von Trump bewirkten, dass Xiaomi gestärkt aus der Umstrukturierung hervorging. Ähnliches gilt übrigens für Huawei, der zu einem der wichtigsten Automobilzulieferer Chinas aufstieg.
Xiaomi will E-Autos ab 2027 auch außerhalb Chinas verkaufen
Xiaomi-Präsident William Lu sagte beim Mobile World Congress (MWC) 2025 in Barcelona, dass Xiaomi seine E-Autos ab 2027 auch auf globalen Märkten verkaufen wolle. Dort stellte der Konzern sein neues Elektroauto SU7 Ultra vor. Dabei kann Xiaomi nicht über mangelnden Absatz in China klagen. Die Jahresproduktion des SU7 Ultra war dort nach Öffnung der online-Bestellkanäle in zwei Stunden verkauft, Doch Lu Der Manager deutete an, dass er im März damit beginnen werde, europäische Automärkte zu erkunden. „Unser Hauptplan besteht darin, eine starke Position auf dem chinesischen Markt aufzubauen, denn ohne diese wäre eine Expansion ins Ausland schwierig“, so Lu in dem Interview. Der Inlandsmarkt hat für das Unternehmen also immer noch Priorität.
Laut dem vom chinesischen Medienunternehmen "Jiemian" veröffentlichten Text eines Interviews sagte Lu, dass er nach dem MWC 2025 die Automobilmärkte mehrerer europäischer Länder besuchen werde, um zu überprüfen, wie sich die chinesischen Autohersteller dort in Bezug auf die Verkaufszahlen schlagen.
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Fotos: © Xiaomi
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