23. Januar 2026
Die Geschichte der sinophonen Diaspora in Deutschland reicht mehr als 200 Jahre zurück. Trotzdem erfährt diese politisch wie kulturell vielfältige Gruppe in der Öffentlichkeit bislang kaum Beachtung, so die Bundeszentrale für politische Bildung in der Veröffentlichung mit dem etwas sperrig klingenden Titel "Die sinophone Diaspora in Deutschland". Doch sie ist durchaus spannend zu lesen.
Neben Berlin war Hamburg Hauptziel der Emigranten aus China. Die Hansestadt Hamburg war im Deutschen Kaiserreich insbesondere über ihren Hafen in transnationale Wirtschaftsprozesse involviert. Um 1900 arbeiteten rund 3.000 chinesische Seeleute in der deutschen Handelsschifffahrt, die auf ihre Arbeitskraft reduziert wurden. Für sie war nicht vorgesehen, sesshaft zu werden. Trotzdem ließen sich einige von ihnen im „Chinesenviertel“ auf St. Pauli nieder, gründeten Familien und eröffneten Geschäfte. Nach dem Beginn der NS-Zeit wurden sie zur Ausreise gedrängt, einige blieben trotzdem. Bei der „Chinesenaktion“ am 13.5.1944 wurden 129 chinesische Männer verhaftet, verhört und in Arbeits- und Konzentrationslager gebracht. Bei 17 von ihnen konnte nachgewiesen werden, dass sie zu Tode kamen. Für jene 13 unter ihnen, bei denen es möglich war zu rekonstruieren, was ihnen nach der Verhaftung widerfuhr, wurden Stolpersteine an der Schmuckstraße/Ecke Talstraße verlegt. Ein Stein erinnert an Woo Lie Kien, geboren 1885 im chinesischen Kaiping, der als Heizer auf einem Schiff nach Hamburg gekommen war. Er starb am 23.11.1944 an den Folgen von schwerer Misshandlung durch die Gestapo im Gefängnis Fuhlsbüttel. Chong Tin Lam – seit 1936 in der Hansestadt und 1944 verhaftet – überlebte und kehrte nach Kriegsende nach Hamburg zurück. Er führte bis zu seinem Tod 1983 die legendäre Kneipe „Hotel Hong-Kong" auf St. Pauli. Bis heute gibt es eine wirtschaftlich und kulturell aktive sinophone Diaspora in Hamburg.
Noch vor nicht so langer Zeit hatte ich einen kulturhistorischen Rundgang mit Vertretern eines Hamburger Chinavereins unternommen. "Die Geschichten über die Gräueltaten der Nazis gegenüber chinesischen Mitbürger könnten nicht stimmen," war eine Reaktion auf die Präsentation unserer Projekte mit dem "Hotel Hong-Kong". Die seien doch alle im Krieg in Sicherheit gebracht worden.
Antidemokratische und geschichtsverfälschende Tendenzen scheinen leider wieder Konjunktur zu bekommen. Umso wichtiger ist die Aufarbeitung dieser traurigen Geschichte der chinesischen Bürger während des Nationalsozialismus. Die unten verlinkte Abhandlung ist mit vielen Fußnoten versehen, welche weitere Informationen liefern.
Links
Die sinophone Diaspora in Deutschland
Die „Eurasian Figure“ im Hotel Hong Kong: Die Heimat in der Fremde
Foto: Thomas Kiefer
ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer
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