Klangwege China
Musik der Seidenstraße
Pipa, Ruan und Gu zu Gast in Hamburg an der Hochschule für Musik und Theater und im Yu-Garten
琵琶, 阮, 鼓

19. Januar 2026

Gleich drei Virtuosinnen aus der Binnenprovinz Anhui präsentierten in Hamburg die Klangwelten Chinas entlang der Seidenstraße

Der Abend begann mit lauten Schlägen auf die großen Gu-Trommeln, einem der ältesten Instrumente Ostasiens. Ihr Klang strukturierte Rituale, Zeremonien oder militärische Signale und prägte damit das Leben ganzer Epochen. Chen Yifan verband diese uralten Rhythmen mit einer modernen Interpretation in ihrem Solo „Drachenflug und Tigerkraft“. Der erhabene Drache und der entschlossene Tiger traten in Dialog, stritten, kämpften und versöhnten sich. Die Komposition spannte ein musikalisches Panorama ungezähmter Energien auf, voll rascher Tonfolgen und geschmeidiger Eleganz. Virtuose Passagen wechselten mit markanten rhythmischen Akzenten.

Nach tobendem Applaus entführten Ke Nan mit der Pipa und La na mit der Ruan die Zuhörer in die majestätische Welt des Tian Shan, seit ewigen Zeiten als Himmelsgebirge verehrt. In dem Stück „Frühling im Tian-Shan-Gebirge“ entfaltete sich ein erwachendes Landschaftsbild. Leichte musikalische Linien deuteten den tauenden Schnee an. Weit gespannte Bögen ergänzten eine endlose Naturkulisse. Das Stück verströmte eine tiefe Ehrfurcht vor der Stille und Schönheit Ostasiens. Das Tian-Shan-Gebirge zieht sich etwa 2.600 Kilometer von Westchina nach Zentralasien entlang der alten und neuen Seidenstraße. Eine Fahrt entlang dieser majestätischen Gebirgskulisse gleicht einem Traum, der durch diese Melodien hervorgezaubert wurde.

„Mondnacht am Frühlingsfluss voller Blumen“ beruht auf einem Motiv, das die Harmonie zwischen Landschaft und innerer Gefühlswelt in den Mittelpunkt stellt. Fein nuancierte Klangschichten und schwebende Linien verleihen dem Werk meditative Tiefe und lassen Zeitlosigkeit sowie Vergänglichkeit gleichermaßen spürbar werden.

„Schenke mir eine Rose“ orientiert sich an volkstümlicher Schlichtheit, trägt jedoch auch eine intime Wärme in sich. Das Motiv der Rose fungiert in vielen Kulturen als Erinnerung an schöne Zeiten und menschliche Verbundenheit. Die sanften harmonischen Tonfolgen lassen kleine Szenen stiller Emotionalität vor dem inneren Auge entstehen.

Dem setzte das Solo „Rausch der Freude“ die Ekstase von von Wein inspirierten Gelehrten mit virtuosen Melodien entgegen. Überraschende rhythmische Akzente, rasche Läufe und impulsive Wendungen verleihen dem Stück seinen ungestümen Charakter.

Nach diesem Musikrausch führten kleine helle Glöckchen zurück auf die Seidenstraße. „Kamelglocken der Seidenstraße“ ist eine musikalische Hommage an diese tausende Jahre alte Handelsroute, die den Kultur- und Ideenfluss aufblühen ließ. Die rhythmische Struktur lässt die schreitenden Kamele und die zarten Glockenklänge akustisch lebendig werden. Das Werk eröffnet weite Klangräume, die an Wüstenlandschaften, Sternenächte und das faszinierende ineinandergreifen vieler Kulturen erinnert. Die Melodien erzeugen Abenteuerlust und Fernweh, so entsteht ein fesselndes musikalisches Porträt interkultureller Begegnungen.

„Tanz der Yi“, entführt nach Südchina. Charakteristisch für die lebhaften musikalischen Traditionen des Yi-Volkes sind pulsierende Rhythmen, dynamische Wechsel und energiegeladene Themen, welche die Vitalität der Volkstänze widerspiegeln. Durch die Mischung von folkloristischen und kunstvollen Elementen entsteht so ein fesselndes musikalisches Porträt der Li.

„Hinterhalt von zehn Seiten“ ist ein virtuoses, dramatisch gesteigertes Solostück, das von einer Schlachtenstrategie der Antike inspiriert ist. Das Werk verlangt außenordentliche technische Brillanz und ein starkes dramaturgisches Gespür.

Aus der Antike geht die musikalische Reise wieder zurück zur Seidenstraße. Der „Tadschikische Tanz“ ist ein elegantes, farbenreiches Werk das die Traditionen der tadschikische Kultur aufgreift und kunstvoll in eine konzertante Form überführt. Fließende Melodien und geschmeidige Linien lassen die anmutigen Bewegungen klassischer Volkstänze am inneren Auge vorüberziehen. Harmonische Verzierungen zeigen eine orientalische Klangästhetik. Das Werk zeigt eine Leichtigkeit und die kulturelle Offenheit der Völker an der Seidenstraße.

Mit traditionellen Weisen geht das Programm weiter. "Nacht des Fackelfests“ zeigt die Freude am Licht, an der Gemeinschaft. Es ist eines der wichtigsten Feste mehrerer ethnischer Gruppen Chinas. Flackernde Klangfiguren symbolisieren das Spiel der Fackeln in der Nacht. Lebhafte Rhythmen verdeutlichen den Tanz um das Licht und den Gesang.

Als Zugabe spielten die drei Virtuosinnen zunächst den „Tanz der goldenen Schlange“. Geschmeidige Läufe, schnelle Wendungen und schillernde Bewegungsmuster zeichnen die anmutige Gestalt einer tanzenden Schlange nach.

Die zweite Zugabe „Meine Heimat und ich“ beschreibt die Beziehung zwischen Individuum und Heimat als Quelle von Identität, Erinnerung und innerer Stärke. Musik ist nicht nur völkerverbindend. Sie bietet auch Heimat, herrliche Erinnerung. Der Abend entführte zur Seidenstraße, die jahrtausendealte Verbindung zwischen Asien und Europa.


Chinesische Musikinstrumente

Die chinesische Musik entwickelte sich seit über tausend Jahren aus einer reichen Tradition, in der Schlag- und Saiteninstrumente zentrale Rollen spielen. Die Große Trommel (鼓 Gu) gehört zu den ältesten Instrumenten Ostasiens; ihr Klang strukturierte Rituale, Zeremonien und militärische Signale und prägte damit das soziale Leben ganzer Epochen. Die Laute Pipa (琵琶) gelangte über die frühen Handelsrouten Zentralasiens nach China und wurde in der Tang-Zeit zu einem führenden Melodieinstrument, das sowohl höfische als auch literarische Musikformen prägte. Die Ruan (阮), mit ihrem runden Korpus und weichem Ton, ist ein eigenständiges chinesisches Instrument, dessen Geschichte sich bis in die Han-Dynastie zurückverfolgen lässt. Für alle Instrumente gibt es kein westliches Pendant, das so alt ist und noch heute gespielt wird.


Programm

Drachenflug und Tigerkraft (Solo auf der großen chinesischen Trommel)
Frühling im Tian-Shan-Gebirge
Mondnacht am Frühlingsfluss voller Blumen
Schenke mir eine Rose
Rausch der Freude (Ruan-Solo)
Kamelglocken der Seidenstraße
Tanz der Yi
Hinterhalt von zehn Seiten (Pipa-Solo)
Tadschikischer Tanz
Nacht des Fackelfests


Mitwirkende:

KE Nan – Pipa (琵琶)
LI Na – Ruan (阮)
CHEN Yifan – trad. Percussion (民族打击乐)


KE Nan

KE Nan ist Dozentin und Musikerin mit Masterabschluss und spezialisiert auf das Pipa-Spiel. Sie ist Sekretärin der Pipa-Gesellschaft Anhui des Chinesischen Musikerverbandes sowie stellvertretende Generalsekretärin des Wang-Yuting-Pipa-Forschungszentrums der Gesellschaft für Nationale Orchester der Provinz Anhui. Ihre Ausbildung erhielt sie bei Professorin Fan Wei und Professor Li Guanghua an der Zentralen Musikhochschule in Peking. Seit 2013 lehrt sie am Anhui Vocational College of Art. Bereits 2005 gastierte sie auf Einladung der Manchester School in Großbritannien und wirkte während ihres Studiums an zahlreichen nationalen Bühnenproduktionen mit, darunter im Nationalen Zentrum für Darstellende Künste in Peking sowie bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008. Sie ist Preisträgerin mehrerer nationaler und internationaler Wettbewerbe – darunter der Dunhuang Cup, der Huayue-Kammermusikwettbewerb und der Internationale Wettbewerb für nationale Musikinstrumente – und wurde mehrfach als hervorragende Lehrerin ausgezeichnet.


LI Na

LI Na ist Dozentin und promovierte Musikerin (Dr. phil) mit Schwerpunkt auf dem Ruan-Spiel. Sie ist Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas, Prüferin der Chinesischen Gesellschaft für Nationale Orchester, Mitglied des Musikerverbandes der Provinz Anhui und Vorstandsmitglied der dortigen Gesellschaft für Nationale Orchester. Als Vertreterin der fünften Generation der Trägerinnen des provinziellen immateriellen Kulturerbes „Liuqin-Spiel aus Nord-Anhui“ widmet sie sich hingebungsvoll der Pflege und Weitergabe traditioneller chinesischer Musik. Nach ihrem Bachelorstudium an der Anhui Normal University promovierte sie an der Thonburi University in Bangkok. Seit 2016 lehrt sie an der Anhui University of the Arts. Für ihre hervorragende Lehrtätigkeit erhielt sie den ersten Preis für Lehrleistungen; ihre Studierenden wurden unter ihrer Anleitung mehrfach auf nationaler und provinzieller Ebene für künstlerische Praxis und Wettbewerbserfolge ausgezeichnet.


CHEN Yifan

CHEN Yifan ist junger Dozent und Musiker mit Masterabschluss, spezialisiert auf Schlaginstrumente. Er ist Mitglied des Fachkomitees für Schlaginstrumente der Chinesischen Gesellschaft für Nationale Orchester, Mitglied der Schlagzeuggesellschaft des Chinesischen Musikerverbandes sowie Vorstandsmitglied der Chinesischen Marimba-Gesellschaft. Zudem gründete er das Schlagzeugensemble der Anhui University of the Arts und ist im Auftrag des chinesischen Ministeriums für Kultur und Tourismus als Prüfer für Schlaginstrumente tätig. Sein Masterstudium im Fach Schlaginstrumente absolvierte er an der Zentralen Musikhochschule in Peking; 2020 trat er als Nachwuchstalent in die Anhui University of the Arts ein. Als Hauptautor und Herausgeber veröffentlichte er das erste Lehrbuch für „Chinesische nationale Schlaginstrumente“ in der Provinz Anhui. Unter seiner Anleitung erhielten seine Studierenden wiederholt bedeutende nationale und provinziell vergebene Auszeichnungen.

Links

Klangwege Chinas. Pipa, Ruan und Gu zu Gast an der HfMT

„Drachenklang · Frühling im Tian-Shan“ Eine Begegnung chinesischer Klangkunst mit mythischer Weite – Neujahrskonzert der HCG im Yu Garten

silkrail - Seidenstraße – Reise in den Westen

天山山脉 – Tian Shan - das Himmelsgebirge
2500 Kilometer zieht sich die Seidenstraße an einem der grandiosen Hochgebirge entlang


Foto: © Thomas Kiefer
ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer

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