Cosco baut Hinterlandgeschäft in Norddeutschland aus

14. Januar 2026

Cosco verfügt über die weltweit größte Transportkapazität und zählt zu den größten Reedereien, insbesondere im Containertransport. Doch die internationalen Güteverkehre ändern sich dramatisch. Die weltpolitischen Turbulenzen führen dazu, dass sich die Lieferketten kurzfristig ändern. Durch KI lassen sich diese andererseits optimaler steuern und in Echtzeit abändern. Der Kunde erwartet günstige, sichere und schnelle Lieferungen über die gesamte Lieferkette hinweg. Daher steigen auch Redereien verstärkt in das Hinterlandgeschäft ein, um dies zu gewährleisten.

Die chinesische Cosco-Gruppe übernimmt vor diesem Hintergrund über ihre niederländische Tochter Goldlead Supply Chain Development (Europe) B.V. 80 Prozent des Hamburger Hinterlandspezialisten Konrad Zippel Spediteur GmbH. COO Axel Plaß behält 20 Prozent der Anteile und bleibt als Geschäftsführer an Bord, berichtet die „Deutsche Verkehrs Zeitung“.
Die Beteiligung ist eine Reaktion auf einen globalen Strukturwandels. Reedereien reagieren auf volatile Frachtraten, geopolitische Risiken und die Nachfrage großer Verlader nach End-to-End-Lösungen. Durch eigene Logistik- und Landverkehrsstrukturen sichern sie sich mehr Kontrolle über Lieferketten, zusätzliche Margen und eine höhere Resilienz, so „Decra“.

 Logistikkunden kaufen zunehmend Planbarkeit statt reiner Seefracht

Es geht hier jedoch bei dieser Übernahme weniger um eine einzelne M&A-Schlagzeile, sondern vielmehr um einen strategischen Wandel im Wettbewerb globaler Reedereien in Europa. Da Hafenstaus, begrenzte Binnenkapazitäten und geopolitische Instabilität die Kosten der Unsicherheit erhöhen, kaufen Kunden zunehmend „Planbarkeit“ statt reiner Seefracht. Die Stärkung der Binnenlogistik, die Koordination von Bahn-, Binnenschiff- und Lkw-Transporten sowie die lokale Abwicklung, tragen dazu bei, einen Hafenanlauf in ein umfassendes Lieferangebot zu verwandeln, berichtet „Xinde Marine News“. Der Ausbau der Binnenlogistikkapazitäten rund um einen wichtigen Knotenpunkt wie Hamburg kann die Wiederherstellungsoptionen bei Störungen verbessern, die Übergabe zwischen See- und Landtransport vereinfachen und engere Servicezusagen für zeitkritische Güter ermöglichen.

Diese Strategie ist auch im gesamten europäischen Kontext zu sehen. Strategische Hafenstandorte werden mit Binnenlogistikkapazitäten kombiniert, um ein durchgängiges „Hafen-Netzwerk-Binnenlogistik“-System zu schaffen. Im Mittelmeerraum hat Coscos Mehrheitsbeteiligung in Piräus bereits den Wert der Abstimmung von Terminalkapazität und Netzwerkstrategie gezeigt. In Nordeuropa, wo sich die Rahmenbedingungen und regulatorischen Vorgaben unterscheiden, führt der Weg zu mehr Resilienz eher über Partnerschaften, Minderheitsbeteiligungen und eine stärkere operative Binnenlogistik.

Die wichtigste Erkenntnis: Die Branche verlagert sich vom Wettbewerb über Frachtraten hin zum Wettbewerb über die Leistungsfähigkeit der Lieferkette. Im Jahr 2026 werden Reedereien, die zuverlässige Wiederherstellung, transparente Nachverfolgbarkeit und Binnenlogistikoptionen bieten können, am besten positioniert sein, um langfristig hochwertige Fracht zu gewinnen, prognostiziert „Xinde Marine News“.

Cosco erwirbt Zippel-Mehrheit

Dass Cosco, wie andere große Reedereien, diese Strategie verfolgt, hatte Mingfeng Wang, Europa-Chef der chinesischen Cosco-Gruppe, bereits Anfang 2025 im Interview mit der Deutschen Verkehrs Zeitung angedeutet. Cosco habe „sehr genaue Vorstellungen davon, wie wir uns in Europa über den reinen Seetransport weiterentwickeln wollen“, sagte er. Dabei werde es auch darum gehen, das mittel- und westeuropäische Hinterland über die Schiene zu erschließen. Der Zippel-Einstieg ist der erste Schritt.

Axel Plaß bleibt DSLV-Präsident

Konrad Zippel wurde 1876 gegründet. Das Unternehmen ist im Containerhinterlandverkehr per Straße, Schiene und Binnenschiff tätig und zählt zu den etablierten Logistikdienstleistern. Die Zippel-Gruppe bewegte im vergangenen Jahr 205.000 TEU im Seehafenhinterlandverkehr der großen deutschen Containerhäfen Hamburg und Bremerhaven. Rund 80 Prozent davon entfallen auf die Schiene. So betreibt Zippel eigene Ganzzüge zwischen den beiden Seehäfen und Berlin, Schkopau sowie Riesa. Dazu setzt Zippel 500 eigene Waggons und drei eigene Loks ein. Zudem verfügt Zippel über 200 eigene Lkw. Den Gruppenumsatz beziffert Plaß auf derzeit rund 75 Millionen Euro bei deutlich schwarzen Zahlen. Für das Unternehmen arbeiten derzeit rund 350 Beschäftigte.

Der Grund der Verkaufsaktivitäten sei der Wunsch seines Mitgesellschafters Kröger gewesen, sich zurückzuziehen, erklärt Plaß. Er habe zunächst überlegt, die restlichen Anteile selbst zu übernehmen, davon aber Abstand genommen. Wegen der guten wirtschaftlichen Verfassung von Zippel wäre dies relativ teuer geworden und das Risiko jedoch angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen und Unsicherheiten sehr hoch gewesen, so Plaß. „Deshalb haben wir Zippel Ende 2024 ins Schaufenster gestellt, um das Kaufinteresse abzuklopfen.“

Mit Cosco kann Zippel Arbeitsplätze sichern und intermodale Aktivitäten ausbauen

Neben Cosco hätten zwei Private-Equity-Firmen sowie Mitbewerber aus dem Intermodalmarkt ihr Interesse an einem Kauf bekundet. Beides wäre vor allem für die Mitarbeiter nicht die beste Lösung gewesen. „Wir haben einen Investor gesucht, der unser Know-how und jeden unserer Beschäftigten braucht sowie das Unternehmen weiterentwickeln kann“, begründet Plaß die Entscheidung für Cosco. Zudem habe Cosco einen Plan für den Auf- und Ausbau der eigenen intermodalen Aktivitäten, in dem Zippel eine wichtige Rolle spielen soll. Die verschiedenen Immobilien der Gruppe sind nicht Teil des Verkaufs. Sie gehören derzeit Plaß und Kröger und werden künftig in den Händen der Familie Plaß liegen.

Investitionsprüfung steht noch aus

Die geplante Übernahme stößt auf erhöhte Aufmerksamkeit bei Politik und Behörden. Hintergrund ist die anhaltende Diskussion über ausländische Beteiligungen an kritischer Infrastruktur. Es wird erwartet, dass auch dieses Geschäft noch einer strengen Investitionsprüfung unterzogen wird. Beobachter gehen davon aus, dass sowohl nationale Stellen als auch EU-Institutionen den Vorgang genau verfolgen.

Es ist zu hoffen, dass sich die daran beteiligten Stellen mit Sachverstand und weniger ideologisch mit dem Thema auseinandersetzen. Ohne Hinterklandkapazitäten dürfte Cosco mit seiner Fracht von Norddeutschland auf andere Standorte ausweichen. Zudem bringt Cosco enorme Erfahrung mit einer digitalen Frachtsteuerung mit, welche dem gesamten norddeutschen Logistikhub zugutekommt. Der Hamburger Hafen kann durch den Ausbau der Cosco-Aktivitäten und verstärkte Kooperationen mit Logistikunternehmen und Bahn-Terminals gewinnen. Ohne diese integrierten Systeme und neue Kooperationen könnte ein großer Teil der Containerverkehrs von Hamburg an andere Standorte abwandern.

Links

COSCO SHIPPING Lines (Europe) GmbH

COSCO SHIPPING Lines

Konrad Zippel Spediteur GmbH & Co. KG

Cosco erwirbt Zippel-Mehrheit

COSCO Shipping’s Major Europe Move: Extending Its Network Beyond the Port into the Hinterland

Cosco übernimmt 80 Prozent von Zippel

Cosco übernimmt Mehrheit an Logistiker Zippel

COSCO plant Mehrheitseinstieg bei Hamburger Spediteur Zippel

Hamburger Hafen in Fernost begehrt – Chinesen planen den nächsten Coup


Foto: © Hafen Hamburg /  ERBIO AG
ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer

Mobirise
Mobirise
Mobirise

Built with Mobirise ‌

Best HTML5 Maker