5. Januar 2026
Abschottung, Zollschranken oder ausbremsen einer funktionierenden Klimapolitik bestimmten zum Jahreswechsel die Meldungen unserer Medien zu globalen Fragen. Doch sieht dies in Asien anders aus, und China intensiviert die internationale Zusammenarbeit. In den deutschen Medien blieb weitgehend unbeachtet, dass im Dezember auf Hainan die größte Freihandelszone der Welt öffnete. Sie soll nicht nur die größte, sondern mit Hightech und effektiven Strukturen auch die leistungsfähigste Freihandelszone werden. Zollfreiheit, neue Wertschöpfungsregeln und steuerliche Anreize sollen Handel, Industrie und internationale Lieferketten neu ordnen und die Rolle der Insel im chinesischen Binnenmarkt verändern. Die Freihandelszone ist Teil eines lange vorbereiteten Plans der chinesischen Regierung, die Insel zu einem Knotenpunkt des internationalen Handels auszubauen und bestehende Öffnungsmodelle weiterzutreiben.
Die ASEAN-Länder und Zentralasien spielen dabei eine besondere Rolle. Vietnam und die Philippinen liegen näher als das südchinesische Guangzhou, Shanghai oder gar Beijing. Für die norddeutschen Außenhandelsunternehmen und den deutschen Güterumschlag nach Asien ergeben sich daraus neue Herausförderungen und Chancen. Die Weltwirtschaft ordnet sich neu. Welche Rolle der Westen dabei spielt, entscheidet sich in den nächsten Jahren.
Hainan-Freihandelszone - Free Trade Port
Die Tropeninsel Hainan hat lediglich knapp 10 Millionen Einwohner. In etwa 18 Megastädten in China leben jeweils mehr Menschen. Doch Hainan übernimmt für Chinas Außenhandel und die internationalen Wirtschaftsbeziehungen eine besondere Rolle. Durch die neuesten Bestimmungen entwickelte sie sich zu einer riesigen Duty-Free-Shoppingzone, zu einer Freihandelszone für Im- und Exporte nach China. Doch Hainan ist nicht das neue Dubai; es möchte mehr sein. Die Öffnung führte zu hohen Wachstumsraten der Wirtschaft, die mit Investitionen in Bildung und Forschung eine hohe Qualität und Nachhaltigkeit erreichen sollen.
Dass die Freihandelszone am 18. Dezember 2025 in Betrieb genommen wurde, war kein Zufall, sondern eine historische Referenz. Denn ebenfalls am 18. Dezember 1978 wurde in China offiziell die Reform- und Öffnungspolitik verkündet. Hainan soll ein weiterer Schritt dieser langfristig angelegten Öffnungspolitik werden.
Der Freihandelshafen (Free Trade Port, FTP) Hainan ist jetzt flächenmäßig der größte FTP der Welt. Hainan ist etwa so groß wie Belgien. Im Rahmen der neuen Regelungen wurde die tropische Insel mit mehr als 30.000 Quadratkilometern als besondere Zollaufsichtszone ausgewiesen. Sie ermöglicht einen freieren Fluss von Waren, Kapital, Personal und Daten, unterstützt durch null Zölle auf die meisten Waren, niedrige Steuersätze und ein vereinfachtes Steuersystem.
Bereits in der ersten Woche vom 28. Dezember bis Weihnachten wurden 1,1 Milliarden Yuan Offshore-Duty-Free-Umsätze im Freihandelshafen Hainan erwirtschaftet. Der Hafen verzeichnete in der ersten Woche Nullzoll-Warenimporte im Wert von vier Milliarden Yuan (etwa 560 Millionen US-Dollar).
Zwei Linien zur Zollabwicklung
Die Maßnahmen setzen ein zollspezifisches Regulierungssystem für zwei Bereiche um: „Freierer Zugang an der ersten Linie, regulierter Zugang an der zweiten Linie, freier Warenverkehr innerhalb der Insel.“ Im Rahmen dieses Systems sind Waren, die zwischen Hainan und Übersee verkehren, weitgehend von Zollverfahren befreit. Der Warenverkehr von Hainan auf das chinesische Festland hingegen wird als Binnenhandel mit entsprechender Aufsicht reguliert.
Die sogenannte erste Linie bezeichnet die Schnittstelle zwischen Hainan und den Überseemärkten. Der freiere Zugang an der ersten Linie ermöglicht es, ausländische Waren leichter und schneller auf die Insel zu bringen, wobei die meisten von Nullzöllen sowie beschleunigten Abfertigungsverfahren profitieren.
Die zweite Linie bezieht sich auf die Zollgrenze zwischen Hainan und dem chinesischen Festland. Dort unterliegen Waren der regulären Zollaufsicht, um faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten und Schmuggel zu verhindern.
Von den insgesamt zehn Zweite-Linie-Häfen in Hainans FTP übernehmen die Häfen Xinhai und Nangang rund 80 Prozent des Frachtaufkommens in Richtung Festland. Sie sind für eine jährliche Durchgangskapazität von etwa 1,72 Millionen Lkw ausgelegt.
Das neue System soll die Abfertigungsprozesse vereinfachen, die Kosten für die Einhaltung der Vorschriften senken und den Marktzugang für internationale Unternehmen verbessern. Zu den ersten Maßnahmen gehören der Wegfall von Zöllen auf die meisten Importwaren, vereinfachte Visaverfahren für ausländische Fachkräfte und die Liberalisierung des Dienstleistungshandels. Mit der Inbetriebnahme ist die gesamte Inselprovinz zu einer speziellen Zollaufsichtszone geworden, und der Anteil der zollfreien Produkte ist von 21 Prozent auf aktuell 74 Prozent gestiegen (rund 6.600 Produktkategorien). Durch die vereinfachten Regelungen wurden in der ersten Woche ihrer Gültigkeit 1.972 neue Außenhandelsunternehmen registriert. Es wurden zudem mehr als 30.000 neue Zolldeklarationsstellen registriert.
Die Einführung der Freihandelsregeln erfolgte nach monatelangen Tests in ausgewählten Gebieten und einer umfassende Modernisierungen der Hafeninfrastruktur, der digitalen Zollplattformen und der Risikokontrollmechanismen. Offizielle Stellen betonten, dass das Freihandelsabkommen trotz der Ausweitung der Maßnahmen weiterhin Kontrollen über Waren behält, die durch nationale Gesetze verboten oder beschränkt sind.
Der FTP soll Chinas Strategie der dualen Zirkulation unterstützen und gleichzeitig seine Rolle in der regionalen Zusammenarbeit stärken, unter anderem mit den ASEAN-Mitgliedern im Rahmen der Regionalen Umfassenden Wirtschaftspartnerschaft (RCEP). Es wird erwartet, dass im Laufe des kommenden Jahres weitere Details zur finanziellen Öffnung, zur Datenverwaltung und zu Talentförderungsmaßnahmen bekannt gegeben werden.
der Risikokontrollmechanismen. Offizielle Stellen betonten, dass das Freihandelsabkommen trotz der Ausweitung der Maßnahmen weiterhin Kontrollen über Waren behält, die durch nationale Gesetze verboten oder beschränkt sind.
Zwei Wirtschaftskreisläufe stimulieren sich gegenseitig
Der FTP soll Chinas „Strategie der dualen Zirkulation“ unterstützen und gleichzeitig seine Rolle in der regionalen Zusammenarbeit stärken. Chinas führte die Strategie der dualen Zirkulation bereits im Jahr 2000 als einen Eckpfeiler des Fünfjahresplans 2021-2025 ein. Damit soll die Wirtschaft weniger störanfälliger durch unvorhersehbare Turbulenten der Weltwirtschaft und gleichzeitig die Vorteile internationaler Wirtschaftsbeziehungen noch besser genutzt werden.
Im „internen Kreislauf“ wird der Binnenkonsum stimuliert und die Abhängigkeit von globalen Wertschöpfungsketten verringert. Im „externen Kreislauf“ soll die internationale Wirtschaftszusammenarbeit eine noch höhere Qualität erreichen und die technologische Zusammenarbeit mit dem Ausland weiter intensiviert werden. Das Modell unterscheidet sich damit grundlegend von unserem Modell des „De Risking“. Es zieht weniger auf eine Abkoppelung ab, sondern mehr auf bessere und weniger störanfällige unternationaler Wirtschaftsbeziehungen. Interner und externer Kreislauf sind miteinander verbunden, ergänzen sich. Die Bestimmungen der FTP Hainan sind damit eine Fortführung dieser landesweiten dualen Strategie, welche den neuen Fünfjahresplan 2026 bis 2030 einläuten. Es wird erwartet, dass im Laufe des kommenden Jahres weitere Details zur finanziellen Öffnung, zur Datenverwaltung und zu Talentförderungsmaßnahmen bekannt gegeben werden.
Chinas Wirtschaftspläne haben übrigens kaum etwas mit den Plänen der ehemaligen osteuropäischen kommunistischen Ländern zu tun. Sie orientieren sich eher an den Wirtschaftsplänen Südkoreas oder Japans und werden laufend modifiziert. Sie geben lediglich einen Ramen und die Spielregel vor, in der sich die marktwirtschaftlichen Triebkräfte frei entfalten sollen.
Wirtschaftswachstum durch Freihandel
Die Öffnung hat auf die vormals bitterarme Insel Wohlstand gebracht. So hat sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Inselprovinz von 446,25 Milliarden Yuan 2017 vor dem Start des FTP auf 793,56 Milliarden Yuan 2024 erhöht. Das Volumen der Im- und Exporte hat sich im Jahr 2024 mit 277,65 Milliarden Yuan um circa 200 Prozent im Vergleich zu 2020 gesteigert. Fast 10.000 Unternehmen aus 176 Ländern und Regionen haben seitdem Niederlassungen auf der Insel gegründet. Allein die im Dezember 2020 eingeführte Nullzollpolitik für Roh- und Hilfsstoffe hat nach Angaben der Zollbehörde von Haikou bis Ende 2024 dazu geführt, dass Unternehmen Steuern in Höhe von 1,171 Milliarden Yuan einsparen konnten.
30-Jahres-Plan
Die Öffnung kam nicht aus dem Nichts, sondern hatte jahrelange Vorprogramme. China stellte bereits 2020 den Masterplan für das Freihandelsgebiet Hainan vor, mit dem Ziel, die Insel bis 2025 zu einem Freihandelshafen mit chinesischen Merkmalen und bis 2035 zu einem ausgereiften, international wettbewerbsfähigen Freihandels-Gebiet auszubauen. Die Rahmenplanungen gehen sogar bis 2050.
James Zhan, Direktor für Investitionen und Unternehmen bei der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD), erläutert die Bedeutung Hainans, eine weltweit führende Konnektivität, ein robustes regulatorisches Umfeld und hochwertige Industrien zu entwickeln.
„Zunächst muss eine Weltklasse-Konnektivität aufgebaut werden, also leistungsstarke Häfen, Flughäfen und digitale Systeme, die Handel schnell und zuverlässig machen. Zweitens braucht es einen regulatorischen Rahmen, dem globale Unternehmen vertrauen. Dazu gehören transparente Regeln, Stabilität, effiziente Zollverfahren, vorhersehbare Steuern und international abgestimmte Standards. Drittens ist ein starker Talentpool notwendig sowie Rechts- und Finanzdienstleistungen, die hochwertige Industrien unterstützen“, so Zhan.
Zhan äußerte sich optimistisch über Hainans Potenzial, sich zu einer erstklassigen Freihandelszone zu entwickeln. Die Insel könne als Innovationszentrum dienen und biete direkten Zugang zum riesigen chinesischen Markt. Das seien ihre einzigartigen Vorteile. „Alle Freihandelszonen müssen transformiert werden, und diese Transformation wird im Wesentlichen von drei Mega-Treibern vorangetrieben, dem Nachhaltigkeitsimperativ, geopolitischen Dynamiken und technologischen Disruptionen oder Fortschritten. Für Hainan besteht die Chance, einen Sprung nach vorn zu machen. Tatsächlich hat Hainan langfristig die größte Stärke in der Fähigkeit, ein modernes Freihandels-Ökosystem mit Raum für mutige Experimente aufzubauen. Das ist systemische Innovation und bietet einen großen Entwicklungsraum, flexible politische Gestaltungsmöglichkeiten sowie direkten Zugang zum riesigen chinesischen Markt. Dies sind die komparativen und wettbewerblichen Vorteile im Vergleich zu anderen Freihandelszonen weltweit, sogar im Vergleich zu erstklassigen Zonen“, fügte er hinzu.
Darüber hinaus ist Zhan überzeugt, dass Hainan widerstandsfähigkeitsgetriebene, technologieintensive und nachhaltigkeitsorientierte Strategien fördern kann, die der Provinz bedeutende Wachstumschancen eröffnen. „Man könnte sich auf drei Arten von Investitionen konzentrieren, die wir als widerstandsfähigkeitsgetrieben bezeichnen. Dies umfasst Maßnahmen zur Diversifizierung und Redundanz von Investitionen, um die Resilienz globaler Wertschöpfungsketten zu gewährleisten. Zweitens geht es um technologiegeleitete Investitionen. Drittens um nachhaltigkeitsgetriebene Investitionen. All dies bietet große und einzigartige Chancen für Hainan“, erklärt Zhan.
Wang Changlin, stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, erklärte im Analyseportal gasgoo: „Die Grenzschließung bedeutet nicht die Schließung der Insel, sondern zielt vielmehr darauf ab, die Öffnung weiter auszubauen und die qualitativ hochwertige Entwicklung des Freihandelshafens Hainan zu fördern. Nach der Grenzschließung wird der Austausch Hainans mit der internationalen Gemeinschaft reibungsloser und freier verlaufen, während die Verbindungen zum Festland weiterhin bequem und effizient bleiben.“
Luxusautos, Jachten, aber auch Auto- oder Maschinenteile, können nur durch die zugelassenen Unternehmen importiert werden und unterliegen strengen Nutzungsbestimmungen. Für Importe zum chinesischen Festland werden die üblichen Zölle erhoben. Dadurch soll sich die Wirtschaft Hainans wie der Tourismussektor entwickeln und Unternehmen für Produktionswerke vor Ort gewonnen werden.
CO₂-freie Industrieparks
Freihandel und Wirtschaftsentwicklung erfolgen in einer großen Gesamtplanung, deren Ziel eine CO₂-emissionsfreie Wirtschaft und Gesellschaft ist. Der Freihandelshafen Hainan hat dazu einen Plan zur Entwicklung von CO₂-freien Industrieparks ins Leben gerufen. Die Initiative zielt darauf ab, in verschiedenen Parks schrittweise eine Umstellung auf kohlenstoffarme und CO₂-freie Technologien vorzunehmen, wobei qualifizierte Zonen Vorrang haben, um den CO₂-freien Status zu erreichen.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau einer robusten CO₂-freien Energie-Infrastruktur durch die Integration grüner Energiequellen wie Wind, Sonne, Biomasse und Kernkraft aus den umliegenden Gebieten. Dazu gehören der Einsatz von Energiespeichersystemen zur Sicherstellung einer stabilen Wärme- und Stromversorgung, die Förderung direkter Ökostromanschlüsse und die Entwicklung intelligenter Mikronetze, die mit dem Hauptnetz kompatibel sind, um Flexibilität und Sicherheit zu erhöhen.
Der Plan unterstützt die Industrie zur Einführung von Technologien zur CO₂-Reduzierung, darunter Technologien zur Abscheidung, Nutzung und Speicherung von CO₂ (CCUS), und unterstützt die Forschung zu neuen Materialien und zukünftigen Energielösungen. Außerdem beschleunigt er das Wachstum neuer, umweltfreundlicher und hochwertiger Sektoren und fördert einen grünen Produktionsansatz, bei dem erneuerbare Energien zur Herstellung umweltfreundlicher Produkte genutzt werden.
Über den Energie- und Industriesektor hinaus umfasst die Strategie auch Energieeffizienzverbesserungen in Gebäuden, kohlenstoffarme Verkehrssysteme, intelligente CO₂-Managementplattformen und langfristige Regierungspläne.
Bankinnovationen erleichtern grenzüberschreitenden Kapitalfluss
Die neuem Freihandelsregeln brauchen einen vereinfachten internationalen Kapitalverkehr. Banken auf Hainan haben innovative multifunktionale Freihandelskonten eingeführt, die einen freien und effizienten Transfer von Geldern zwischen inländischen und ausländischen Konten ermöglichen. Damit wird der grenzüberschreitende Kapitalfluss der FTP deutlich erleichtert.
Bis Ende November dieses Jahres hatten bereits elf Banken in Hainan diesen Service eingeführt. Über die neuen Konten wurden Transaktionen im Gesamtwert von 295 Milliarden Yuan RMB (rund 42 Milliarden US-Dollar) mit Unternehmen und Institutionen aus 80 Ländern und Regionen abgewickelt.
Die neuen multifunktionalen Freihandelskonten bieten einen umfassenden One-Stopp-Service für grenzüberschreitende Zahlungsabwicklungen, Devisengeschäfte sowie Investitions- und Finanzierungsaktivitäten. Der vereinfachte Prozess, der ohne zusätzliche Prüfungen oder ergänzende Unterlagen auskommt, hat die Effizienz des Kapitalflusses erheblich gesteigert. Neben der vereinfachten Abwicklung bringt auch der Offshore-Wechselkursvorteil des Kontos messbare finanzielle Vorteile.
Die Anwendungsmöglichkeiten der funktionalen Freihandelskonten erweitern sich zudem. Sie reichen inzwischen von grundlegenden Zahlungsabwicklungen bis hin zu komplexen Finanzdienstleistungen und entwickeln sich zu einer wichtigen Unterstützung für Unternehmen bei der Erschließung internationaler Märkte.
„Ausgehend von der anfänglich einfachen Funktion des grenzüberschreitenden Geldtransfers haben wir in diesem Jahr zahlreiche Geschäftsinnovationen eingeführt, darunter Auslandsfinanzierungen in US-Dollar in Kombination mit Onshore-RMB-Währungsswaps. Mit der zunehmenden Nutzung unserer Dienstleistungen und der stärkeren Verzahnung mit den FTP-Rahmenbedingungen werden wir weitere innovative Maßnahmen auf den Weg bringen, damit Unternehmen noch stärker profitieren können“, erklärte Li Peng, stellvertretender Leiter der Hainan-Niederlassung der Industrial and Commercial Bank of China.
Internationale Unternehmen
In den vergangenen fünf Jahren hat Hainan über 100 Milliarden Yuan an ausländischen Investitionen genutzt, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 14,6 Prozent entspricht. Damit wurde ein Rekord aufgestellt, indem in fünf Jahren mehr ausländische Investitionen angezogen wurden als in den gesamten 32 Jahren zuvor.
Von hochwertigen Forschungsgeräten und biopharmazeutischen Rohstoffen bis hin zu Konsumgütern des täglichen Bedarfs und Produktionsrohstoffen sind die meisten Importwaren von Zöllen, Einfuhrumsatzsteuer und Verbrauchssteuer befreit. Darüber hinaus unterliegen Unternehmen, die im Freihandelshafen Hainan registriert sind und dort einen wesentlichen Teil ihrer Geschäftstätigkeit ausüben (ausgenommen Branchen auf der Negativliste), ab 2025 einem reduzierten Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent, der deutlich unter dem üblicherweise hohen Steuersatz von 25 Prozent auf dem chinesischen Festland liegt.
Die Einkommensteuerpolitik ist ebenso attraktiv: Hochqualifizierte und dringend benötigte Fachkräfte, die in Hainan arbeiten, sind von der Einkommensteuer befreit, sofern der Anteil ihrer Einkommensteuer 15 Prozent übersteigt. Gleichzeitig verfügt Hainan über die kürzeste Negativliste für ausländische Investitionen im ganzen Land und senkt damit die Hürden für ausländische Investitionen in den Bereichen Finanzen, Bildung, Gesundheitswesen, Kultur und anderen Sektoren weiter.
KI, Big-Data und Hightech für Zollabfertigung in Minutenschnelle
Doch nicht nur durch Zollbefreiungen und Steuerreduktionen lassen sich Kosten sparen und die Handelsabwicklung beschleunigen. Im Rahmen einer besonderen Zolloperationen setzt der Hainan FTP ein spezielles Aufsichts- und Kontrollmodell um, das als „freierer Zugang an der ersten Linie, regulierter Zugang an der zweiten Linie und freier Warenverkehr innerhalb der Insel“ beschrieben wird.
„Nach dem Start der inselweiten besonderen Zolloperationen in Hainan haben wir die Zollaufsicht an der zweiten Linie effektiv in den Prozess der ausgehenden Fracht integriert, um eine effiziente Abfertigung sicherzustellen. Wenn Fahrzeuge die Zollkontrollspuren an der zweiten Linie passieren, werden jene, die nicht durch Risikokontrollanweisungen gekennzeichnet sind, direkt freigegeben, wobei der gesamte Durchgang nicht länger als eine Minute dauert. Für markierte Fahrzeuge setzen wir prioritär intelligente Röntgen-Inspektionssysteme ein, um die Abfertigungseffizienz weiter zu erhöhen. Fahrzeuge, bei denen während der maschinellen Kontrolle Auffälligkeiten festgestellt werden, werden zur weiteren Behandlung in Bereiche für manuelle Inspektionen geleitet“, erklärte Liu Quanyan, Expertin der Zollbehörden der Stadt Haikou, der Provinzhauptstadt Hainans.
Um Effizienz und Sicherheit gleichermaßen zu gewährleisten, hat der Zoll von Haikou zudem eine intelligente Aufsichtsplattform entwickelt. „Wir konzentrieren uns auf große, sensible und systemische Risiken. Zu diesem Zweck haben wir eine intelligente Zollaufsichtsplattform eingeführt, einen Big-Data-Pool mit über drei Milliarden Datensätzen aufgebaut und mehr als 100 Risikowarnmodelle entwickelt, um eine präzise Risikokontrolle zu ermöglichen. Darüber hinaus haben wir an den Zweite-Linie-Häfen ein kreditbasiertes Abfertigungssystem implementiert, das für mehr als 90.000 Außenhandelsunternehmen in ganz Hainan eine abgestufte und kategorisierte Verwaltung vorsieht. Bei Unternehmen mit hoher Kreditwürdigkeit sowie solchen auf der sogenannten Weißen Liste wird die Inspektionshäufigkeit reduziert. Umgekehrt werden die Kontrollraten bei risikobehafteten Unternehmen, die einer besonderen Beobachtung bedürfen, angemessen erhöht. Insgesamt bleibt die Quote der Risikoüberprüfungen und Inspektionen an den Zweite-Linie-Häfen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau“, so Liu.
Hainan Bielefeld University
Die Hightech-Abwicklung und die laufende Verbesserung der Strukturen erforderten hochqualifizierte Fachkräfte. Zum einen wirbt Hainan in China und weltweit um Talente. Zum anderen baut Hainan sein praxisorientiertes Bildungssystem aus und setzt dabei auch auf internationale Kooperationen.
Die Hochschule Bielefeld gründete 2023 die erste eigenständige ausländische Hochschule in China. Die Hainan Bielefeld University of Applied Sciences (HSBI) befindet sich in der Stadt Danzhou in der Yangpu Economic Development Zone (YEDZ). Präsidentin ist Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk. Bis zum Jahr 2034 will man nach Angaben der HSBI auf einem neuen Campus bis zu 12.000 Studierende unterbringen.
Der Hochschulbetrieb begann vergangenes Jahr mit den Studiengängen für Informatik, für Digitale Technologien, für Industrietechnik und für Logistik-Engineering. Fünf neue Bachelorstudiengänge werden dieses Jahr eingeführt: Mechatronik & Automatisierung, Elektrotechnik, Maschinenbau, Softwareentwicklung und Betriebswirtschaftslehre. Damit bietet die HSBI nun neun Studiengänge in den Bereichen Ingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften und Management an und stärkt so ihr anwendungsorientiertes Ausbildungssystem.
Die Hochschulgründung stand in Deutschland in der Kritik, da das Bundesbildungsministerium Kooperationen in China zunehmend kritisch gegenübersteht. Die Bielefelder Hochschulbetreiber sehen dies jedoch als Erfolgsmodell. Probleme können im Dialog gelöst werden. Und es darf nicht übersehen werden, dass der Wissenstransfer verstärkt von China nach Europa verläuft.
Tourismusparadies
Neben dem Handel entwickelt sich der Tourismus sehr dynamisch. Die Tropeninsel Hainan liegt in etwa auf dem gleichen Breitengrad wie Hawaii, ist jedoch doppelt so groß. Strände, viele Sonnenstunden und eine grandiose Landschaft locken immer mehr Touristen auf die Insel, deren Tourismusindustrie stark ausgebaut wurde. Aus 86 Ländern kann man visafrei einreisen. Die Passkontrolle dauert meist kaum eine Minute.
Bis zum 16. Dezember dieses Jahres wurden 2,55 Millionen Inbound- und Outbound-Reisen auf der Insel verzeichnet, 25,9 Prozent mehr als 2024. Mit modernen und englischsprachigen Angeboten im Internet (zum Beispiel „Travel in Hainan“ auf der offiziellen Website https://en.hainan.gov.cn/englishsite/index.shtml ) ermöglicht die Lokalregierung den ausländischen Touristen, sich bequem und ohne Probleme auf der Insel zurechtzufinden. Für das anstehende Frühlingsfest ab Mitte Februar 2026 werden weitere Rekordzahlen erwartet. Über die „maritime Schlagader“ zwischen den Provinzen Guangdong und Hainan, der Qiongzhou-Meerenge, soll das Passagieraufkommen voraussichtlich bei etwa fünf Millionen und das Fahrzeugaufkommen bei 1,16 Millionen liegen.
Die Zukunft ist ungewiss
Dies gilt nicht nur für Hainan, dies gilt für die ganze Welt. China versucht mit der Öffnung Hainans eine stabilisierende Funktion in die geopolitisch schwierige Situation im Südchinesischen Meer zu bekommen. Die Öffnung ist ein Gegenentwurf zur Abschottungstendenzen insbesondere der USA, welche die Lösung drängender Zukunftsfragen erschwert. Ob das Experiment gelingt, bleibt abzuwarten. Die Herausforderungen vor Ort sind dabei weniger schwierig als die globalen Unsicherheiten. Doch die Kooperation von Hainan insbesondere mit den ASEAN-Staaten könnte in der Region und für die ganze Welt durchaus eine stabilisierende Wirkung entfalten.
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