2. Januar 2026
In Hamburg-Finkenwerder und in Toulouse dürften zum Jahresende die Sektkorken nicht nur zu den Silvesterpartys geknallt haben. Über Airbus kam ein Feuerwerk von Bestellungen aus China. Dabei standen die Chinaaktivitäten des Flugzeugbauers vor drei Jahrzehnen eher in der Kritik, als dort die ersten Montagelinien eingerichtet wurden. Doch die Werke in Europa und China ergänzen sich, und das Werk in der chinesischen Hafenstadt Tianjin ist der Grund, weshalb nach so langer Zeit in China immer noch die Gewinne sprudeln und damit Arbeitsplätze in Europa gesichert werden. Es ist zu sehen: Eine Fertigung vor Ort stimuliert auch die Importe.
Die größten Aktionäre von Airbus sind Frankreich (ca. 10,8 %), Deutschland (ca. 10,8 %) und Spanien (ca. 4,1 %), die sich über ein lukratives Investment und eine gelungene Industriepolitik freuen können. Der amerikanische Konkurrent Boing hat dagegen keine komplette Fertigung in China und kommt daher ins Hintertreffen. Während die Boing-Aktien in den vergangenen fünf Jahren gerade mal um 5,45 Prozent stiegen und dabei inflationsbereinigt an Wert verloren, legte Airbus in diesem Zeitraum um 116,95 Prozent zu. Eine langfristige, nicht nur auf kurzfristige Quartalsgewinne ausgelegte Strategie und auf Dauer angelegte Kundenbeziehungen zahlen sich aus.
Airbus hat seine Präsenz in China durch die Gründung einer eigenen Tochtergesellschaft (Airbus (China) Co., Ltd.) bereits 1994 aufgebaut. Das deutsch-französische Unternehmen begann seine Produktion in China offiziell mit der Eröffnung seines Endmontagewerks (FALA) in Tianjin im Jahr 2008, das die erste Airbus-Fertigungslinie für Verkehrsflugzeuge außerhalb Europas war, wobei bereits 2009 das erste Flugzeug vom Typ A320 dort fertiggestellt wurde. Bereits zuvor begann Aitbus in Tianjin mit der Ausbildung von Fachkräften und das Werk von Airbus galt als Vorzeigeprojekt der europäisch-chinesischen Zusammenarbeit.
Diese erste Endmontagelinie für Verkehrsflugzeuge außerhalb Europas von Airbus war ursprünglich für die A320-Familie zuständig. Inzwischen werden auch A321-Rumpfsektionen ausgerüstet, und es gibt eine zweite Fertigungsstraße für die A320-Familie, die vor Kurzem in Betrieb ging, um die Produktion in China weiter auszubauen. Es gibt auch Pläne für weitere Lokalisierungen und sogar A350-Fertigung. Seit der Gründung sind im Airbus-Werk Tianjin mehr als 800 Jets fertiggestellt worden. Und es sollen noch deutlich mehr werden.
120 Bestellungen plus Kaufabsichten innerhalb weniger Tage
Doch der bald größte Luftfahrtmarkt der Welt kann durch die Produktion vor Ort nicht ausreichend beliefert werden. In den letzten Tagen des Jahres 2025 konnte Airbus gleich drei Bestellungen und Zusagen aus China verbuchen: Juneyao Airlines gab die Kaufabsicht für 25 Exemplare des A320 Neo bekannt, und Spring Airlines orderte 30 Jets der A320-Neo-Familie. Die China Aircraft Leasing Group Holdings Limited (CALC) hat einen Festauftrag mit Airbus über 30 Flugzeuge der A320-Neo-Familie unterzeichnet, um die starke Nachfrage ihrer Kunden nach diesem Flugzeugtyp zu befriedigen.
Langfristige Kooperation mit China Aircraft Leasing Group Holdings Limited (CALC)
Bei dieser Vereinbarung mit CATL handelt es sich um die fünfte Bestellung bei Airbus, womit sich die Gesamtzahl der von CALC bestellten Airbus-Flugzeuge auf 282 erhöht, davon sind 203 Flugzeuge der A320-Neo-Familie. „Unsere langjährige Partnerschaft mit Airbus war maßgeblich für das Wachstum von CALC“, sagte Mike Poon, Geschäftsführer und CEO von CALC. „Dieser jüngste Auftrag spiegelt unsere gemeinsame Vision von Innovation und nachhaltiger Luftfahrt wider. Wir sind stolz darauf, gemeinsam mit Airbus zu wachsen und unseren Airline-Kunden weltweit weiterhin hochwertige, moderne Flugzeuglösungen anzubieten.“
Spring Airlines hat eine reine Airbus-Schmalrumpfflotte
Spring Airlines, die gemessen an der Flottengröße führende Billigfluggesellschaft Chinas, setzt mit der Bestellung von 30 weiteren Airbus-Maschinen ihren Weg der Flottenvereinheitlichung konsequent fort. Das Unternehmen betreibt bereits heute eine reine Airbus-Schmalrumpfflotte, bestehend aus Modellen der Typen A320-ceo, A320-Neo und A321-Neo. Durch die Konzentration auf einen einzigen Flugzeugtyp profitiert der Carrier von erheblichen Skaleneffekten bei der Wartung, der Ersatzteilbevorratung und der Pilotenausbildung. Die neuen Flugzeuge sollen primär dazu dienen, das inländische Streckennetz weiter zu verdichten und die regionalen internationalen Routen innerhalb Asiens auszubauen.
Die Entscheidung für die moderne Neo-Variante ist dabei ein zentraler Baustein der Betriebsstrategie. Diese Maschinen bieten im Vergleich zu älteren Modellen eine höhere Reichweite und verbesserte Wirtschaftlichkeit, was Spring Airlines ermöglicht, auch längere regionale Strecken bei gleichzeitig wettbewerbsfähigen Ticketpreisen profitabel zu bedienen. Die Auslieferungen, die ab 2028 gestaffelt erfolgen sollen, stellen sicher, dass die Airline über eine der modernsten und effizientesten Flotten im asiatischen Raum verfügt, während ältere Maschinen der Ceo-Generation sukzessive ersetzt werden.
Hybrid-Modell und Flottenmodernisierung bei Juneyao Airlines
Juneyao Airlines, ein Privatunternehmen mit Hauptsitz in Shanghai, verfolgt ein differenzierteres Geschäftsmodell, das Elemente von Full-Service-Airlines mit der Effizienz von Low-Cost-Strukturen verbindet. Die nun geplanten 25 Flugzeuge der A320-Familie bilden das Rückgrat für das Kurz- und Mittelstreckengeschäft der Gesellschaft. Während Juneyao auf der Langstrecke auf die Boeing 787-9 setzt, bleibt Airbus der bevorzugte Partner für den kontinentalen Verkehr. Die Investition dient sowohl dem Kapazitätsausbau als auch der notwendigen Flottenerneuerung gegen Ende des Jahrzehnts.
Für Juneyao Airlines ist die Sicherung der Lieferpositionen bis 2032 von großer Bedeutung, da die weltweiten Produktionskapazitäten für Schmalrumpfflugzeuge zunehmend ausgelastet sind. Durch die frühzeitige Festlegung auf Airbus sichert sich das Unternehmen Planungssicherheit in einem volatilen Marktumfeld. Die neuen Jets werden voraussichtlich über modernisierte Kabinenkonfigurationen verfügen, um dem Anspruch der Fluggesellschaft an ein gehobenes Reiseerlebnis bei gleichzeitig hoher operativer Effizienz gerecht zu werden, so „aviation.direct“.
Air China ordert 60 A320-Neo
Zum Jahresende am 30. Dezember gab auch noch Air China eine große Bestellung bekannt. Die chinesische Nationalairline ordert 60 Flugzeuge der A320-Neo-Familie. Die Auslieferung der Flugzeuge soll schrittweise zwischen 2028 und 2032 erfolgen. Die genaue Verteilung auf die Modelle A319 Neo, A320 Neo und A321 Neo werde später festgelegt, berichtet „aerotelegraph“.
Der Wert allein dieses Auftrages beträgt nach Listenpreisen 9,53 Milliarden Dollar. Man habe aber erhebliche Preiszugeständnisse erhalten, so die Fluglinie. Dies ist bei Großbestellungen üblich.
Geopolitik erschwert Geschäfte, gibt jedoch auch neue Kooperationsmöglichkeiten
Zusätzlichen Druck erzeugen politische Faktoren. Airbus warnte zuletzt, dass mögliche Zölle zwischen den USA, Mexiko und Kanada die Produktionsleistung in Nordamerika beeinträchtigen könnten. Solche Maßnahmen würden Lieferketten verteuern und die Kostenstruktur belasten. Zudem versuchen die USA auch, Exporte von Hochtechnologie nach China zu verhindern, Technologie die in jedem modernen Flugzeug verbaut ist.
China möchte mit Europa dagegen noch enger kooperieren, um der Abschottungspolitik der USA etwas entgegenzusetzen. Bundeskanzler Friedrich Merz plant in den ersten drei Monaten des neuen Jahres eine Reise nach China. Bei solchen Staatsbesuchen werden Großprojekte wie die mit Airbus gern final von den Staatsoberhäuptern unterzeichnet und weitere Projekte angekündigt. Dabei geht es nicht mehr hauptsächlich um Technologietransfer von Europa nach China, sondern eher umgekehrt. Bei grüner Zukunftstechnologie, Elektromobilität oder Robotertechnik ist China führend, und chinesische Konzerne suchen Produktionsstätten in Europa. In Deutschland fehlen jedoch in der Praxis nicht nur eine echte Willkommenskultur, sondern auch technologischer und organisatorischer Sachverstand. Das China-Projekt von Airbus könnte zeigen, wie Industriepolitik langfristig erfolgreich und nachhaltig funktioniert. Es funktioniert durch vertrauensvolle Kooperation auf Augenhöhe und durch gemeinsame Problemlösungen und nicht durch einseitige Zollhürden oder Marktabschottung.
Links
Airbus in China
Noch eine Order aus China. Air China bestellt 60 Airbus A320 Neo
CALC bestellt 30 weitere Flugzeuge der Airbus A320neo-Familie
Orders für über 80 A320 Neo. China beschert Airbus ein verspätetes Weihnachtsgeschenk
Airbus, Milliarden-Deals aus China, Lieferprobleme und neue Zollrisiken
Airbus sichert sich Großaufträge von Spring Airlines und Juneyao Airlines
ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer
Fotos: Vertragsunterzeichnungen mit Bundeskanzler Helmut Kohl und Airbus-Ausbildungswerk in Tianjng 1993 © Thomas Kiefer
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