20. Januar 2026
Chinas Handelsüberschuss lag 2025 bei etwa 2,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung. Derjenige von Deutschland bei 5-7 Prozent. Die strukturellen Probleme, wie mangelnder Inlandsmarkt sind demnach in Deutschland dreimal so groß, könnte man sagen. Doch China ist von der Einwohnerzahl dreimal so groß wie die EU. Durch die schiere Große summierte sich der Handelsüberschuss Chinas auf 1,2 Billionen Dollar. Das wird ein Problem für die Weltmärkte. Doch eine Beschränkung des Freihandels dürfte Deutschlands Wirtschaftsmodell weitaus stärker belasten als China. Neue internationale Regeln für eine nachhaltige, gerechte Wirtschaftsordnung sind gefordert. Diese könnten in einem globalen Verbund der Willigen auch mit geballter Stärke den Destabilisierungs-Tendenzen der USA oder Russlands etwas entgegensetzen.
China zeigt laut IWF eine gesunde Leistungsbilanz
Chinas Handelsüberschuss erreichte 2025 einen Rekordwert von rund 1,2 Billionen US-Dollar, was ein signifikanter Teil der chinesischen Wirtschaftsleistung ist, aber der genaue Prozentsatz zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) variiert je nach Quelle. Der IWF nennt eine gesunde Leistungsbilanz von etwa 2,2 Prozent des BIP im Jahr 2024.
Die Außenhandelsquote Chinas wird für Anfang 2026 mit ca. 37,2 Prozent angegeben. Historisch lag dieser Wert früher deutlich höher (über 60 % im Jahr 2006), hat sich aber durch die Stärkung des Inlandsmarkts stabilisiert. Doch da in diesem Zeitraum die chinesische Wirtschaftsleistung um fast das siebenfache Zulegte stiegen die Überschüsse dennoch stark an.
Das Bruttoinlandsprodukt Chinas betrug 2006 rund 20,94 Billionen Yuan;
Das Bruttoinlandsprodukt Chinas betrug in Jahr 2025 etwa 140,2 Billionen Yuan.
Deutscher Exportüberschuss 5-7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
Der deutsche Exportüberschuss im Verhältnis zum BIP variiert jährlich, lag aber in den letzten Jahren oft im Bereich von 5-7 Prozent des BIP; 2023 betrug der Warenexportüberschuss allein 235,4 Milliarden Euro, was ein sehr starker Wert war, während der Gesamt-Leistungsbilanzüberschuss 2023 sogar 280,3 Milliarden Euro erreichte, was etwa 7-8 Prozent des BIP entspricht.
Außenhandelsquote liegt in Deutschland in den vergangenen Jahren im Bereich von 70 bis 85 Prozent. Die hohe Quote verdeutlicht die enorme Abhängigkeit der deutschen Industrie von globalen Lieferketten und Absatzmärkten. Trotz eines prognostizierten BIP-Wachstums von etwa 1,2 Prozent für das Jahr 2026 steht der deutsche Außenhandel weiter unter Druck. Im November 2025 sanken die Exporte bereits um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Deutschland verliert im Welthandel aktuell an Boden.
Obwohl Chinas Wirtschaft absolut gesehen viel größer ist und das Land den Welthandel dominiert, ist die relative Bedeutung des Außenhandels für die nationale Wirtschaftsleistung in Deutschland etwa doppelt so hoch wie in China.
Messen mit zwei Maßstäben
Deutschland war über Jahrzehnte stolz auf seinen Handelsüberschuss. Er galt als Lohn für unseren Fleiß, unserer Erfindungsgabe und unseres Geschäftssinns. Wenn China jetzt ebenfalls hohe Überschüsse erwirtschaftet wird dies jedoch von uns meist als unfair angesehen. Oft werden ungerechtfertigte staatliche Subventionen als Grund für Chinas wirtschaftlichen Erfolg angesehen. Doch liegen diese pro produzierte Ware in Europa weitaus höher.
Handelsüberschuss erreicht Rekordniveau
China stärkte nicht nur seine Binnennachfrage, sondern baute in den vergangenen Jahre auch seine Wirtschaftsbeziehungen mit vielen Ländern breit aus. Chinas Außenhandel konnte so trotz des anhaltenden Zollstreits mit den USA und weltweiter Handelskonflikte im Jahr 2025 einen bislang unerreichten Überschuss erzielen. Nach Daten des chinesischen Zolls stiegen die Exporte 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent auf einen Gesamtwert von rund 3,8 Billionen US-Dollar (derzeit rund 3,26 Billionen Euro) an. Die Importe betrugen unverändert rund 2,6 Billionen Dollar, womit der Handelsüberschuss auf einen Rekordwert von knapp 1,2 Billionen Dollar stieg.
Geprägt war das Handelsjahr 2025 vom Konflikt mit den Vereinigten Staaten. Chinas Exporte in die USA brachen um 20 Prozent ein, die Importe sanken um 14,6 Prozent. Trotz zeitweiliger Annäherungen blieben die US-Zölle auf chinesische Waren hoch. Viele chinesische Unternehmen suchten deshalb verstärkt Absatzmärkte außerhalb der USA.
Vize-Zollminister Wang Jun spielte bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung der aktuellen Wirtschaftsdaten auch auf die Handelskonflikte des vergangenen Jahres an: "Gewisse Länder haben Handelsfragen politisiert und Hightech-Exporte nach China eingeschränkt", sagte der Vize-Zollminister. "Hätten sie das nicht getan, hätten wir mehr importiert", fügte er hinzu. Die Botschaft ist: China würde gerne mehr importieren, aber es gibt Importbeschränkungen.
Für dieses Jahr wird keine wesentliche Entspannung erwartet. „In Bezug auf die Lage des Außenhandels in diesem Jahr fehlt dem globalen Handelswachstum allgemein gesagt Dynamik, und das äußere Umfeld für die Entwicklung des chinesischen Außenhandels bleibt schwierig und komplex“, sagte so Wang. Er verwies auf ein schwaches globales Wirtschaftswachstum, politische Unsicherheiten und eine geopolitische Spaltung.
EU und Deutschland zeigen Exportschwäche
Doch die die Ausfuhren nach Deutschland legten deutlich zu: Sie stiegen um 10,5 Prozent auf rund 118 Milliarden US-Dollar. Die Importe aus Deutschland gingen dagegen leicht zurück. Seit Oktober ist China wieder Deutschlands wichtigster Handelspartner und hat damit die USA abgelöst. In der EU, wo Chinas Exporte 2025 um 8,4 Prozent zulegten, die Importe jedoch um 0,4 Prozent sanken, und in anderen Ländern wächst nicht nur wegen Chinas schwacher Nachfrage der Unmut.
Positive Signale für die EU aus China
Zuletzt gab es jedoch Anzeichen für eine vorsichtige Annäherung zwischen Peking und Brüssel. Die EU öffnete den Weg für Hersteller von in China produzierten E-Autos, Mindestpreise festzusetzen, statt Zollaufschläge in Kauf zu nehmen.
Zudem will China ab April die Mehrwertsteuer-Rückerstattung für Photovoltaikexporte streichen, um die sinkenden Preise zu bremsen. Günstige Waren aus China hatten der Solarbranche in Europa schwer zugesetzt. Auch bei Batterieprodukten sollen Exportvergünstigungen schrittweise reduziert werden. Doch sind dies lediglich punktuelle Veränderungen. Notwendig ist eine gemeinsame Strategie für die europäisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen, von denen alle einen Nutzen haben.
Doch gleichzeitig hat das Bundesinnenministerium hat angesichts steigender Marktanteile vor möglichen „Risiken chinesischer Fahrzeuge“ gewarnt. Auch von „Spionagegefahr“ ist die Rede. In der EU wird derweil über ein Verbot von Anbietern und Technologien nachgedacht. Dabei geht es um Standortdaten, Gesprächsaufnahmen über Bordmikrofone oder Bilder von Fahrkameras, die an interessierte, aber unbefugte Dritte übermittelt werden könnten. In modernen Autos gibt es mehrere Hundert Sensoren. Stephan Kramer, Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, sieht aber vor allem ein Risiko für sicherheitsrelevante Bereiche, etwa Bundeswehr, Polizei oder Regierungsumfeld. Die Gefahr für Privatpersonen sei dagegen „eher moderat“. Anders sehe das schon bei Unternehmen mit sensibler Forschung und Entwicklung aus. Insbesondere, weil Führungskräfte das Auto gern als mobilen Besprechungsraum nutzten.
Kramer mahnte aber auch, nicht ausschließlich China ins Visier zu nehmen. Angesichts der aktuellen politischen Entwicklung in den USA könnte die Sicherheitsfrage langfristig auch die USA betreffen. Die politischen Ambitionen und Ansichten von Tesla-Chef Elon Musk ließen ihn jedenfalls aufhorchen, wie das Handelsblatt den Verfassungsschützer zitiert. Doch egal aus welchen Land die Fahrzeuge kommen. Diese Sicherheitsprobleme lassen sich technisch lösen.
Dies sind vorgeschobene Gründe für die Abschottung der EU. Mit dem Industrial Accelerator Act der EU-Kommissionsollen zudem Steuergelder hiesigen Unternehmen vorbehalten sein, ausländische Investoren müssen mit hohen Hürden rechnen. Dies dürfte sich in erster Line gegen China richten. Doch China setzt erfolgreich auf neue Handelspartnern, auf Win-Win-Kooperationen mit Schwellenländern
China setzt verstärkt auf Schwellenländer
Diese Strategie entwickelt China bereits mit den meisten seiner Nachbarländern. "Mit mehr diversifizierten Handelspartnern wurde Chinas Fähigkeit, Risiken zu widerstehen, erheblich gestärkt", so Wang. Andere Länder machten den Exporteinbruch in die USA mehr als wett.
Lieferungen an die Mitglieder des südostasiatischen Staatenbundes ASEAN kletterten gegenüber 2024 um 13,4 Prozent. In afrikanische Länder lieferten die chinesischen Unternehmen sogar 25,8 Prozent mehr Waren. Der Handel mit den Partnerländern der Seidenstraßen-Initiative stieg um 6,3 Prozent im Jahresvergleich und machte 51,9 Prozent des gesamten chinesischen Außenhandelsvolumens aus. Der Handel mit den ASEAN-Mitgliedern wuchs um 8 Prozent, mit Lateinamerika um 6,5 Prozent und mit Afrika sogar um 18,4 Prozent. Die Drohungen aus den USA schweißen selbst die Konkurrenten China und Indien enger zusammen. Der Handel zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Welt legte vergangenes Jahr um etwa 10 Prozent zu.
Für viele im Westen dürfte es ein psychologisches Problem sein, das sie nicht ewig die "Number 1" sind. Chinas Anteil an der Weltwirtschaft (BIP) war 1990 noch sehr gering, schätzungsweise unter 2 Prozent, wuchs aber dramatisch auf etwa 19,3 Prozent im Jahr 2024 (kaufkraftbereinigt). Indien und die ASEAN-Länder haben jetzt ebenfalls hohe Zuwachsraten ihrer Wirtschaft.
Handel China – ASEAN einer Billion US-Dollar
Dies führt dazu, das sich die Hauptpfeiler der Weltwirtschaft nach Asien verlagern. Der Handel zwischen China und den ASEAN-Staaten wird voraussichtlich im Jahr 2025 die Marke von einer Billion US-Dollar überschreiten und dank RCEP, KI und modernisierten Lieferketten in eine neue Wachstumsphase eintreten. Lei Xiaohua, Vizepräsident des Instituts für Südostasienstudien an der Guangxi Akademie der Sozialwissenschaften, erklärt dass Chinas industrielle Modernisierung und Investitionen dazu beitragen werden, die heimische Produktionskapazität zu steigern, die Struktur und Qualität der ASEAN-Exporte nach China zu optimieren und einen ausgewogeneren bilateralen Handel zu fördern.
Xu Ningning, Vorsitzender des Ausschusses für industrielle Zusammenarbeit im Rahmen der Regionalen Umfassenden Wirtschaftspartnerschaft (RCEP), sagte, dass China und ASEAN eine gemeinsame geografische Lage mit miteinander verbundenen Gebirgen und Flüssen teilen und ihre Volkswirtschaften sich hervorragend ergänzen, was eine Grundlage für eine verstärkte Zusammenarbeit bildet. Die Freihandelszone China-ASEAN 3.0 wird beide Seiten hinsichtlich der Vernetzung der Lieferketten und der Angleichung von Standards und Vorschriften auf eine neue Ebene heben. Besonders hervorzuheben ist, dass kleine und mittlere Unternehmen (KMU) den Großteil (90 %) des bilateralen Handels und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit ausmachen. Das aktualisierte Protokoll zur Freihandelszone China-ASEAN 3.0 enthält ein Kapitel, das Kleinst-, Klein- und Mittelbetrieben (KKMU) gewidmet ist und es ihnen ermöglicht, ihr enormes Potenzial im Rahmen der Vorzugsregelungen der Version 3.0 voll auszuschöpfen und so die Grundlage für die Zusammenarbeit zu stärken.
Die Expertin Lei Xiaohua ist überzeugt, dass der bilaterale Handel zwischen China und ASEAN nach Überschreiten der Billionen-Dollar-Marke einen neuen Wachstumszyklus erleben wird, der durch die Verlagerung des globalen Wirtschaftszentrums nach Osten angetrieben wird. Südostasien befindet sich auf einem positiven Wirtschaftskurs, und sein Wachstum, der Ausbau der Infrastruktur sowie die expandierenden Konsummärkte schaffen eine starke Importnachfrage, die Chinas Produktionskapazitäten optimal ergänzt.
Ho Chi Dung betonte, dass künstliche Intelligenz (KI) zu einer zentralen Triebkraft für eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen China und ASEAN wird. Sie fördert nicht nur die Vernetzung der digitalen Infrastruktur und die Digitalisierung von Logistik und grenzüberschreitendem Zahlungsverkehr, sondern vertieft auch die Integration in Bereichen wie intelligenter Fertigung und moderner Landwirtschaft durch den Aufbau differenzierter Entwicklungsmodelle für industrielle Wertschöpfungsketten. Die Zusammenarbeit beider Seiten in den Bereichen KI-Governance, Interoperabilität von Industriestandards und sogar die Entwicklung globaler Regeln wird der regionalen Integration neue Impulse verleihen.
Die Vorsitzende des RCEP-Industriekooperationsausschusses, Xu Ningning, wies außerdem darauf hin, dass die umfassende Umsetzung des RCEP-Abkommens der regionalen Zusammenarbeit erhebliche Vorteile gebracht habe und dass die Freihandelszone China-ASEAN 3.0 einen Synergieeffekt erzeugen und parallel zum RCEP ausgebaut werden werde.
Mit Blick auf die Zukunft gehen Experten davon aus, dass 2026 der fünfte Jahrestag der umfassenden strategischen Partnerschaft zwischen China und ASEAN sein wird und damit eine neue Phase der Weiterentwicklung und Verbesserung der bilateralen Beziehungen einläutet. Die Dynamik der wirtschaftlichen und handelspolitischen Zusammenarbeit wird weiter gestärkt und trägt zum regionalen und globalen Wachstum bei.
Nicht nur der Handel spielt mit den Nachbarländern eine große Rolle. Der Infrastrukturausbau senkt Logistikkosten und erleichtert die Wirtschaftszusammenarbeit. In den ASEAN-Ländern und Zentralasien bauen chinesische Konzerne zudem Produktionsanlage und integrierte Zuliefernetzwerke auf. Die Wissenschaftskooperation und der kulturelle Austausch werden ausgebaut. Zudem präsentiert sich China als offenes Land. Aus den meisten Nachbarländer kann man unkompliziert für 30 Tage ohne Visa einreisen.
Teilweise profitieren diese Länder durch günstige Importe mit Finanzierungsmodellen mehr als durch jegliche Entwicklungshilfe. Die Preise für Solaranlagen beispielsweise sind in den vergangenen Jahren dramatisch gefallen, von rund 5.000 €/kWp (2006) auf ca. 1.500 €/kWp (2025). Dies ist ein Rückgang von etwa 70-80 Prozent, bedingt durch Massenproduktion, Effizienzsteigerung und sinkende Modulpreise. Grüner Strom lässt sich so kostengünstig produzieren. Die Anlagen haben nach wenigen Jahren ihre Kosten eingespielt und produzieren dann Gewinn. Auch Elektroautos, Produktionsmaschinen und Hightech sind aus China zumeist günstiger als aus den traditionellen Industrieländern zu bekommen. Zollschranken der USA und EU können daran wenig ändern.
Für Europa bedeutet der Aufstieg der Schwellenländer jedoch nicht unbedingt einen Abstieg. Es kann sich in diese neuen Wirtschaftsformen einbringen und zusammen mit den wirtschaftlich aufsteigenden Ländern auf Augenhöhe gemeinsam die neuen Spieregeln der zukünftigen Weltwirtschaft entwickeln.
Links
Chinas massiver Überschuss ist allgegenwärtig (doch der IWF hat immer noch Schwierigkeiten, ihn klar zu erkennen)
Exporte boomen. Chinas Handelsüberschuss erreicht Rekordniveau
Exporte boomen, Importe lahmen. Trotz Zollstreit mit Trump: China meldet Rekordüberschuss im Außenhandel
China verzeichnet 2025 Rekord-Handelsüberschuss
Boomende Exporte außerhalb der USA. Trotz Zollstreit: Chinas Handelsbilanz 2025 auf Rekordwert
TROTZ TRUMP-ZÖLLEN: China mit Rekord-Handelsüberschuss
Wachstum: Chinas Exporte bereiten Deutschland Sorgen
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Der Handel zwischen China und den ASEAN-Staaten übersteigt eine Billion US-Dollar
Foto: Land Port Horgos © Thomas Kiefer
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