Audi ist "Car of the Year" in China
Volkwagen mit neuer China-Strategie 

2. Februar 2026

In diesen turbulenten Zeiten zunächst gute Nachrichten: Der neue Audi ist in China zum "Car of the Year“ gewählt worden. Dies ist das Ergebnis davon, dass Audi vor Ort eine vollkommen auf den Markt ausgerichtete Marke und ein entsprechendes Fahrzeug entwickelte. Lange Zeit galt für VW und Audi in China „keinen Millimeter von der Direktive aus Wolfsburg oder Ingolstadt abweichen“. Diese Vorgaben weitab vom Markt seien einer der größten Bremsklötze, hörte ich bereits 1989 bei einer Führungskräfteschulung bei Shanghai Volkswagen.

Zweimal Audi

Doch Volkswagen setzt in China nicht nur auf Eigenständigkeit, sondern hat dort jetzt auch eine von Wolfsburg weitgehende unabhängige Markenpolitik, Bei der Größe des chinesischen Markts und den sehr unterschiedlichen Käuferschichten ist es angemessen, zwei verschiedene Audi-Marken zu etablieren. Zudem sind die jeweiligen Joint-Venture-Partner SAIC und FAW grundlegend verschieden. SAIC-VW spricht mit dem „Audi ohne Ring“ eine technologiebegeisterte jüngere Käuferschicht an.
Doch auch der FAW-Audi soll ein Erfolgsmodell bleiben. FAW Audi hat in China insgesamt bereits zehn Millionen Fahrzeuge verkauft und ist damit eine der ersten Premium-Automarken in einem Joint Venture in China, die diesen Meilenstein erreicht hat, teilte das Unternehmen im Januar mit.

Angesichts der zunehmenden Elektrifizierung des Marktes haben die beiden Autobauer ihre Zusammenarbeit ausgeweitet. Das Joint Venture Audi FAW NEV Co., eine Kooperation zwischen Audi und FAW mit einer geplanten Jahresproduktionskapazität von mehr als 150.000 Fahrzeugen, begann im Jahr 2024 in Changchun in der Provinz Jilin im Nordosten Chinas mit der Serienproduktion von vollelektrischen Modellen. „Die Marke wird weiterhin eine zweigleisige Strategie verfolgen, die konventionelle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mit Elektro- und Hybridtechnologien kombiniert und gleichzeitig Produktverbesserungen vorantreibt“, sagte Dong Xiuhui, General Manager von FAW-Volkswagen.

30 Prozent des weltweiten Absatzes in China

Die Neuausrichtung war überfällig, da der VW-Konzern in seinem wichtigsten Markt und Gewinnbringer dramatisch zurückfällt. Jahrzehntelang war Volkswagen auf dem chinesischen Markt der unangefochtene Marktführer. Nachdem der einheimische Autobauer BYD bereits 2024 VW den Rang abgelaufen hat, ist im vergangenen Jahr auch Geely vorbeigezogen. VW belegt nur noch nur noch den dritten Platz. In China wurden 2025 noch 2,69 Millionen VW-Fahrzeuge verkauft, 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Ende der 1990er-Jahre lag der VW-Marktanteil in China bei über 50 Prozent. Noch 2020 lag er bei 19,3 Prozent. Nach einem weiteren Rückgang im letzten Jahr liegt er derzeit bei rund 14 Prozent. Doch China ist immer noch der wichtigste Markt für VW. Trotz der Absatzrückgänge entfielen im vergangenen Jahr noch etwa 30 Prozent der weltweiten Auslieferungen auf China. Doch von den 2,59 Millionen verkauften Fahrzeuge waren 2,57 Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Bei den boomenden Elektrofahrzeugen hatte VW wenig für chinesische Kunden zu bieten.

Bei Elektrofahrzeugen möchte VW jetzt in China aufholen. Im Jahr 2026 wird die Volkswagen-Gruppe mehr als 20 vollelektrische, Plug-in-Hybrid- und Reichweitenverlängerungsmodelle auf dem chinesischen Markt einführen. Diese Modelle sind mit fortschrittlichen Batterie- und Elektrifizierungstechnologien, intelligenter Konnektivität und Fahrerassistenzsystemen ausgestattet, meldete VW.

Bis 2027 plant Volkswagen etwa 40 neue Fahrzeugmodelle in China, mehr als die Hälfte davon elektrifiziert. Allein dieses Jahr kommen über 20 Modelle mit alternativen Antrieben auf den Markt, also reine Elektroautos, Plug-in-Hybride und Range-Extender-Varianten.

Entwickelt in China - für die Welt

Bei der neuen Chinastrategie spielen die beiden chinesischen Automobilriesen und VW-Partner SAIC und FGAW nicht unbedingt die Hauptrolle. Neue dynamische Unternehmen wie Xpeng sorgen für den „China Speed“. Die neue China Electronic Architecture (CEA), ein zentrales Element, um in China wieder aufzuholen, wurde von der Volkswagen Group China Technology Company (VCTC), Cariad China und Xpeng entwickelt. Das Fahrzeug wird im Volkswagen-Werk Anhui produziert. Volkswagen Group China hat jetzt planmäßig mit der Produktion des ersten Modells begonnen, das die CEA integriert, die erste zonale Elektronikarchitektur des Konzerns. Der VW ID.UNYX 07 wurde in China entwickelt, getestet und produziert und ist der technologische Pionier einer neuen Generation intelligenter vernetzter Fahrzeuge (ICV).

Die CEA ist eine skalierbare, zonale Elektronikarchitektur mit leistungsstarken Zentralrechnern. Sie ist vollständig Over-the-Air aktualisierbar und für den Einsatz in allen Antriebsarten ausgelegt, was eine schnelle Erweiterung des Portfolios

 intelligenter vernetzter Fahrzeuge in China ermöglicht, so Volkswagen.

„Der Produktionsstart unserer ersten zonalen Elektronikarchitektur ist ein weiterer Meilenstein unserer Strategie ‚In China, for China‘. Der Volkswagen-Konzern liefert – schnell und zuverlässig. In nur 18 Monaten haben wir erstmals eine komplett neue, skalierbare Elektronikarchitektur von der Entwicklung bis zur Serienproduktion realisiert – mit derselben hohen Qualität und Sicherheit, die unsere Kundinnen und Kunden von Volkswagen erwarten. Die China Electronic Architecture ermöglicht softwaregetriebene Innovationen über alle Antriebsarten hinweg, beschleunigt den Ausbau unseres Portfolios intelligenter vernetzter Fahrzeuge in China - und sie ist ein wichtiger Bestandteil unserer weltweiten Konzern-Software-Strategie auf unserem Weg zum globalen Technologietreiber der Automobilindustrie“, erklärte Oliver Blume, CEO Volkswagen Group.

„Wir haben nun den Weg für eine neue Generation intelligenter vernetzter Fahrzeuge in China geebnet. Die China Electronic Architecture ermöglicht es uns, softwaregesteuerte Innovationen zu wettbewerbsfähigen Kosten und mit hoher Geschwindigkeit auf den Markt zu bringen, und zwar für Elektrofahrzeuge, Hybrid- und Verbrennermodelle. So skalieren wir intelligente vernetzte Fahrzeuge in China – indem wir lokale Geschwindigkeit mit der DNA von Volkswagen kombinieren, “so Ralf Brandstätter, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG, verantwortlich für China, sowie Vorsitzender und CEO der Volkswagen Group China.

Im Vergleich zu früheren Fahrzeuggenerationen reduziert die CEA die Anzahl der elektronischen Steuergeräte um rund 30 Prozent und vereinfacht damit die Systemkomplexität erheblich. Dies schafft eine stabile Grundlage für fortschrittliche KI-Cockpit-Funktionen, chinesische Fahrerassistenzsysteme und Over-the-Air-Updates für das gesamte Fahrzeug.

Durch den neuen Entwicklungsprozess werden die gesamten Fahrzeugentwicklungszyklen um bis zu 30 Prozent verkürzt. Durch die lokalisierte Entwicklung und frühzeitige Einbindung von Zulieferern in der Konzeptphase werden die Entwicklungskosten für neue Modelle in ausgewählten Schlüsselprojekten um bis zu 50 Prozent reduziert. Agile Entwicklungsprozesse ermöglichen zudem schnelle Anpassungen an sich ändernde Kundenanforderungen und stärken die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen. Bereits in diesem Jahr wird der Konzern vier weitere Fahrzeuge aus allen Joint Ventures der Marke Volkswagen mit der neuen Architektur vorstellen. Mit der Auslieferung der CEA stellt Volkswagen seine umfassenden Kompetenzen in der Entwicklung softwaredefinierter Fahrzeuge unter Beweis, vom Konzept über die Konstruktion bis hin zur Validierung und Serienproduktion, so VW.

Auch Škoda setzt auf CEA

China Speed auch bei der VW-Tochter Škoda. Beim größeren Modell Peaq, dem ersten elektrische Siebensitzer von Skoda, wird allerdings eine andere Plattform verwendet. Hier ist es immer noch MEB, aber eine weiterentwickelte Version. Gegenüber Autoexpress wurde bestätigt, dass Technologie von der brandneuen CEA zum Einsatz kommt, die VW gemeinsam mit Xpeng für China entwickelt hat.

Diese neue Architektur ersetzt das bisherige elektrische System, um durch erhöhte Rechenleistung Funktionen wie KI und vollständige Over-the-Air-Updates zu ermöglichen. Durch die Reduzierung der Steuergeräte sinkt vor allem die Komplexität des Fahrzeugs, was gleichzeitig Entwicklungskosten und -zeiten verringert.

Standort Deutschland am Ende?

Für den Standort Deutschland sind nicht die großen Produktionskapazitäten von VW und anderen ausländischen Konzernen die eigentliche Herausforderung. Europas Industrie gerät viel mehr ins Hintertreffen, da sich China als Forschungsstandort für Zukunftstechnologie etabliert und dort die Unternehmensprozesse viel schneller durchgeführt werden können. Und die zukünftigen Fahrzeuge werden dann verstärkt aus China exportiert.

Die deutsche Industrie kann offensichtlich im Technologiewettlauf mithalten.  Jedoch nicht mehr vorzugsweise in ihrem Stammland. Das zeigt nicht nur VW. Die Politik braucht mehr „China-Speed“, damit unsere Wirtschaft nicht noch weiter zurückfällt. Nicht großartig angekündigte Programme zählen, sondern der Erfolg sollte mehr an den Ergebnissen gemessen werden. Dafür braucht Europa einen langfristig ausgerichteten Industrie- und Technologieplan. Das „Hefei-Modell“, den Industrieplan der chinesischen Binnenprovinz Anhui, die vor Kurzem nur wenige in Europa kannten, sollten sich unsere Politiker näher ansehen.

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Das "Hefei-Modell"

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Foto: Basis für intelligente vernetzte Fahrzeuge – Die erste selbst entwickelte zonale Elektronikarchitektur des Volkswagen Konzerns – die CEA – geht in Serie © Volkswagen AG
ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer

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